Masematte oder: Was sabbelt die Kaline?

Trauerschwan in Tretboot verliebt

In der Schweiz spricht man: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. In Deutschland spricht man: Deutsch. Richtig? Falsch. Ich bin in Greven im Münsterland aufgewachsen. Meine Heimatstadt liegt etwa 20 km nördlich vom schönen Münster, wo ich auch studiert habe. Dort gibt es viele Fahrräder, einen Schwan, der ein Tretboot liebt, und mittwochs auf dem Wochenmarkt, vor dem Dom, krakelende Futtfeger und malochende Hachos mit Leezen, die sich töfte Geschichten verklickern. STOPP. Wie bitte?

Handel, Hausiererei, Sprache

Das war Masematte. Genau. Das hat nichts mit Zahlen zu tun oder Joga und zügelt auch nicht den Appetit. Masematte ist eine Sprache, die im 19. Jahrhundert in Münster entstanden ist. Zumindest stammen aus dieser Zeit die ersten Quellen. Sprache hat keine Geburtsurkunde. Wer weiss schon, wann das erste Mal ein Münsteraner etwas «jovel» fand?

Masematte wurde vor allem von Mitgliedern der unteren Schichten gesprochen. Arbeiter, reisende Händler, Gewerbetreibende. Der Begriff bedeutet so viel wie Handel, Hausiererei, Einbruch oder Diebstahl. In Münster bedeutet es aber einfach Sprache. Huch! Ja nu, die guten Herren – Frauen haben nur selten Masematte gesprochen – hatte schon ihre Gründe sich für andere unverständlich auszudrücken. Masematte war wie eine Geheimsprache. Und ist es immer noch. Oder hätten Sie aus obigem Satz verstanden, dass ich von schimpfenden Frauen und arbeitenden Männern mit Fahrrädern sprach, die sich lustige Geschichte erzählen? Eben.



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