Gesprochen geschrieben: so funktioniert Theatertext

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Als Regieassistentin am Theater hatte ich es täglich mit dem niedergeschriebenen gesprochenen Wort zu tun. Einer meiner Füsse steckt noch immer im Theaterleben. Umso mehr freut es mich, wenn wir Drehbücher für Firmenfilme oder Radio-Spots texten. So zu schreiben, dass es gesprochen funktioniert, ist faszinierend.

Kommt von rechts, hält gusseisernen Kelch in der Hand.

Beim Theater gibt es etliche wirkungsvolle Formen des Schreibens. Ist in einem Textbuch bis ins kleinste Detail beschrieben, welche Tätigkeit synchron oder versetzt zum Sprechen ausgeführt werden soll, wird das Verständnis des Inhalts und der Aussage anders gefördert als wenn keine Erklärungen gemacht werden. Ausgelegt wird das Textbuch jedoch mit jeder Inszenierung neu. Nur das ist lebendiges Theater, das auch Fortschritte erlaubt. Ein Regisseur hat stets den Anspruch, dem Zuschauer neue Sichtweisen zu eröffnen. Ob dieser Kelch dann immer noch aus Guss ist oder durch einen Baseball-Schläger ersetzt wird, ist ihm überlassen.

Was ist anders?

Wichtig an einem Text fürs Theater ist, dass er genügend Raum für Interpretation lässt und die Beteiligten in der Erarbeitung der Geschichte nicht zu stark einschränkt. Spannend ist, wenn eine Figur auf dem Papier implizit bleibt und auf der Bühne explizit wird. Heisst: Die Figur sagt auf dem Papier noch nicht das, was sie auf der Bühne meint. Dabei darf es um die grossen Themen des Lebens gehen; Liebe, Tod, Hass, Brudermord. Der Zuschauer wird das verstehen, was er mit seinen eigenen Erlebnissen verknüpfen kann. Das ist Theater.

Empfehlung des Monats

Münchhausens Enkel von Urs Widmer läuft momentan im Theater Rigiblick. Die Figuren sind grundehrlich, zynisch und humorvoll. Und ich schätze, sie sagen ziemlich das, was Urs Widmer geschrieben hat. Gehen und sehen. Es macht Spass.




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