10 Fragen an Stephanie Hugentobler, Texterin und Präsidentin von script

Stephanie Hugentobler

script ist der Schweizer Texterinnen- und Texterverband. Wir arbeiten bei Supertext eng mit script zusammen und pflegen den Anspruch an eine hohe Textqualität. Stephanie steht dem Verband seit 2003 als Präsidentin vor.

Frage: Warum braucht es Texter? Sind die Deutschlehrer an unseren Schulen alles Versager?

Antwort: Nein, sind sie nicht. Sonst hätten auch alle Mathe-, Handarbeits- und Geografielehrerinnen und -lehrer versagt, nicht wahr? Texterinnen und Texter braucht es, weil sie perfekt in Worte fassen können, was andere sagen wollen. Hier liegt ihr Talent, ihr Können. Andere Menschen, andere Gaben.

Frage: Woran erkenne ich einen wirklich guten Text?

Antwort: Wenn du ihn gern liest, du dich in ihm zurechtfindest, er dir etwas sagt, du ihn verstehst und/oder er dich zum Denken anregt, er dich berührt in welcher Form auch immer. Auf der fachlichen Ebene gibt es natürlich harte Faktoren, um die Qualität eines Textes aus konzeptioneller und handwerklicher Sicht zu beurteilen. Logischer Aufbau, Satzlängen, keine Wortwiederholungen, fehlerfreie Grammatik und Rechtschreibung, Präzision in der Wortwahl und vieles mehr.

Frage: Der Verkaufsleiter schreibt: „Stretch-Jeans, komfortabel, nur 49.-„. Der Texter kommt mit: „Mogeln locker mal 3 Kilo weg Stretch-Jeans für 49.-„. Was verkauft mehr?

Antwort: Coole Frage. Aber so einfach kriegst du mich nicht. Es kommt ganz auf die Zielgruppe an. Wen will das Unternehmen ansprechen und wo? Sumoringer in Japan? Magersüchtige Europäerinnen? Tunesische Bauchtänzerinnen? Hat die Zielgruppe überhaupt drei Kilos wegzumogeln oder will sie die überhaupt wegmogeln? Oder soll die Hose vor allem bequem sein? Aber ganz klar: Je präziser die Aussage ist und über das Produkt wirbt oder eben informiert , desto grösser ist die Chance, zu verkaufen. Es gilt, den Nerv zu treffen, die Bedürfnisse zu kennen und Wünsche zu wecken.

Frage: Wie wird man professioneller Texter?

Antwort: Ich erlaube mir, das offizielle Berufsbild Texterin/Texter zu zitieren. Vorausschicken möchte ich allerdings, dass die Bildungsanbieter uns entdeckt haben und dass verschiedentlich und zunehmend TexterInnen-Ausbildungen angeboten werden. Doch professionell wird man weniger in der Schulbank als am Schreibtisch, in der Praxis.

Frage: Was ist der Unterschied zwischen einem Texter und einem Journalisten?

Antwort: Journalistinnen und Journalisten schreiben für Medien und haben grundsätzlich die Aufgabe, zu informieren. Ihre Artikel müssen vor der Veröffentlichung, vereinfacht gesagt, dem Chefredaktoren und dem Lektorat genügen. Sie sehen sich gerne als neutral, was ich persönlich ebenso gerne anzweifle. Aber das ist ein anderes Thema. Texterinnen und Texter sind für ihre Auftraggebenden tätig: Unternehmen, Werbe- und PR-Agenturen. Je nach Auftrag haben sie die Aufgabe, zu verkaufen, ein Image zu schaffen oder zu verändern, für das Unternehmen zu kommunizieren, Aufmerksamkeit zu erregen. Texterinnen und Texter sind nicht neutral, sondern stehen dazu, ihren Kundinnen und Kunden verpflichtet und deren Sprachrohr zu sein. Und so muss der Text auf deren Wünsche und Anforderungen eingehen und ihnen gerecht werden. Die Auftraggebenden reden mit. Und Profis können damit ausgezeichnet umgehen. Alle anderen sind im falschen Beruf und sollten Schriftsteller werden.

Frage: Was ist der Unterschied zwischen texten und schreiben?

Antwort: Oha. Jetzt wird es komplex. Oder philosophisch. Darum verweise ich auf die Definition nach Duden.

tex|ten: einen [Schlager-, Werbe]text verfassen; Te;x|ter der; -s, -: Verfasser von [Schlager-, Werbe]texten.

schrei|ben: a) Schriftzeichen, Buchstaben, Ziffern, Noten o. Ä. in einer bestimmten lesbaren Folge mit einem Schreibgerät auf einer Unterlage, meist Papier, [auf]zeichnen od. in einen Computer eingeben. b) aus Schriftzeichen, Buchstaben, Ziffern o. Ä. in einer bestimmten lesbaren Folge bilden, zusammensetzen: ein Wort, eine Zahl schreiben.

Frage: Texten Frauen anders als Männer?

Antwort: Ich gehört zur Ja, unbedingt-Fraktion. Wir Frauen leben, spüren, reagieren, träumen, lieben, reden und denken anders. Sogar Einparken tun wir offenbar anders. Warum sollen wir ausgerechnet nicht anders texten? Abgesehen davon belegen auch Studien, dass dem so ist. In Sachen Satzbau zum Beispiel. Männer scheinen eher einen Hang zu komplexen Schachtelsätzen zu haben.

Frage: Warum ist die meiste Werbung so einfallslos?

Antwort: Das hat unterschiedliche Gründe. Oft der Fall: Zu viele Leute reden in ein Konzept, eine Idee rein so wird sie zerredet und das Resultat wird flach. Mangelnder Mut und Fehlbesetzungen in der Kreation sind weitere Ursachen.

Frage: Viele Leute behaupten, dass Werbung bei ihnen nicht wirkt. Was sagst du denen?

Antwort: In über 90 Prozent der Fälle: Ich glaube dir nicht. Und du kennst dich selbst nicht gut genug.

Frage: Hast du einen Lieblingswerbesatz?

Antwort: Ganz spontan: So viele Sünden. Und so wenig Zeit. Hat im Sommer 2003 für Magnum geworben. Was dazu geführt hat, dass ich mich durchs Sortiment und zurück schleckte. Und mich für die Hose aus obiger Frage interessiert habe sowohl hinsichtlich Komfort als auch hinsichtlich der drei Kilos.



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2 Kommentare zu “10 Fragen an Stephanie Hugentobler, Texterin und Präsidentin von script”



  • Rinaldo am 22. August 2007 17:10 Uhr

    Liebe Stephanie, ich finde das Interview gehört zum Besten, was auf unserem Blog zu finden ist! Danke für die Zeit, die Du in Deine Antworten investiert hast!


  • raexi am 17. September 2008 22:20 Uhr

    Die Frau sollte nicht versuchen, den Beruf des Journalisten zu definieren, wenn sie – ganz offensichtlich – keine Ahnung hat.


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