Zwei paar Schuh‘

Zwei paar Schuh'

Bis vor Kurzem dachte ich, das Schweizerdeutsche sei wirklich „nur“ ein deutscher Dialekt. Als ich jedoch vor einem Jahr nach Heidelberg zügelte (nein, ohne Pferd, mit einem stinknormalen LKW), bekam ich da plötzlich so meine Zweifel. Denn in Deutschland stösst man das Fahrrad nicht den Hügel hinauf, nein, man schiebt es. Und wenn man seine Mitstudenten (alias Kommilitonen) fragt, ob sies streng haben, verstehen sie nur Bahnhof. Aber noch komplizierter wirds, wenn das Wochenende vor der Tür steht. Auf meine Frage, wann wir denn abmachen sollten, um eins ziehen zu gehen oder ob wir so richtig in den Ausgang gehen würden, antwortete man mir prompt: „Ähm, Camille, was für Drogen nimmst du?“ – „Und welchen Ausgang meinst du damit? Wir sind doch schon draussen!“ Ups.

Auch Putzen will gelernt sein.

Sehr richtig, denn auch diesbezüglich bin ich schon über ein paar Wortsteine gestolpert. Als ich nämlich vor kurzem meinem Vermieter schilderte, dass ich das Treppenhaus zuerst immer wische und dann aufnehme, zweifelte er wohl (zu Recht) an meinen Putzkünsten. Denn wischen ist wahrlich nicht überall gleich wischen.

Liberale Grosszügigkeit.

Wieder einmal zu Besuch in der Schweiz, ist mir aufgefallen, dass wir ein wirklich grosszügiges Völkchen sind. Wir geben uns sogar Telefone! Unsere Nachbarn sind dafür liberaler: Da kriegt man Tüten sogar im Supermarkt.

Das Ganze auf den Punkt gebracht.

Diese und andere Sprachpannen versüssen mir immer wieder den Alltag. Trotzdem würde ich gerne mal wissen, welches Mass an Abweichungen erreicht werden muss, damit aus einem Dialekt eine eigene Sprache wird? Und wer bestimmt das eigentlich?



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Ein Kommentar zu “Zwei paar Schuh‘”



  • Margit Conrad am 7. September 2011 13:47 Uhr

    Hallo Camille,
    Ich bin ebenfalls gezügelt, aber aus dem Heidelberger Raum an den Zugersee, und erlebe alles wie DU… nur umgekehrt. Jedenfalls habe ich Deinen Beitrag mit Vergnügen gelesen.

    Viel Spass weiterhin in Heidelberg!
    Viele Grüsse,
    Margit


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