Der neue Stern am Tischfussball-Himmel

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Als ich mich für das Praktikum bei Supertext bewerbe, verwende ich selbstverständlich die gängigen Grussformeln: Sehr geehrter Herr Werlen… bla bla bla… Freundliche Grüsse Sandro Zappella.

Mit einem lockeren «Ciao Sandro, ok per Du? Ist eh schon zu spät», schreibt mir Mauro Werlen zurück. Das erste Mal assoziere ich Supertext mit coolen, sympathischen Mitarbeitern. Während meiner Lehre zum Kaufmann habe ich die Leute lange genug gesiezt und gesietzt und gesiezt. Dabei liebe ich das Du doch so sehr.

Anzug ist Trumpf

Der Mauro scheint auch eine gewisse Begeisterung für meine Bewerbung zu empfinden und lädt mich zu einem Vorstellungsgespräch ein. Es sei Business-Friday, erwähnt er noch, ich müsse nicht erschrecken, wenn alle mit Anzügen rumlaufen. Ich könne selbstverständlich ganz „normal“ auftauchen. Uff! Glück gehabt, denn der Anzug ganz hinten in meinen Schrank ist nämlich nicht mehr so das, was allgemein als massgeschneidert gilt. Zuletzt vor Jahren an der Hochzeit irgendeiner Cousine 3. Grades getragen, ist der Anzug natürlich viel zu klein. Ich entschliesse mich, zumindest ein Hemd anzuziehen. Ich will ja nicht aussehen wie ein Proletarier inmitten von Anzugträgern.

Brasilianische Ballkünstler

Beim Vorstellungsgespräch lerne ich neben Mauro auch die beiden Rudelführer Rinaldo und Fabian kennen. Das Gespräch läuft soweit so gut. Hat Fabian bemerkt, dass ich des öfteren zum Tischfussballkasten geschielt habe? Auf jeden Fall fragt er mich, ob ich denn auch Töggelen kann. Natürlich, sage ich voller Überzeugung und werde in der gleichen Sekunde zu einem Spiel aufgefordert. Ich mache am Töggelikasten keine so schlechte Figur, zum Sieg reicht es Fabian und mir gegen Töggelikasten-Roberto-Carlos (Mauro) und Edeltechniker Rinaldo (Ronaldo und Rivaldo = Rinaldo, ist er deshalb so gut?) nicht ganz. Aber schliesslich gehört es ja zum guten Ton, seine Vorgesetzten gewinnen zu lassen – zumindest solange man noch nicht eingestellt ist. Für mich hat es sich auf jeden Fall gelohnt, das eine oder andere Mal mit meinen Kommilitonen aus der Medienlinguistik-Vorlesung zu schleichen, um sich mit Tischfussball zu vergnügen. Ich bekomme den Job.

Zack – da bin ich

Fünf Tage nach dem Vorstellungsgespräch stehe ich für meinen ersten Arbeitstag bereits wieder am Empfang von Supertext. Obwohl mich alle sehen, haue ich noch volle Kanne auf die Glocke beim Eingangstresen (Wer macht das denn nicht gerne?). Ich werde herzlich aufgenommen und starte sogleich mit Arbeiten. «Quizmaster» steht auf meinem Profil bei Supertext. Geil! Ich fühle mich wie der Günther Jauch der Zürcher Hardturmstrasse. Das Handling von Fragen für ein neues TV-Quiz gehört unter anderem zu meinen Aufgaben. Den Dreh habe ich schnell raus und so bin ich nach einer Woche Supertext schon voll integriert. Auch am Töggelikasten traue ich mich langsam aufzudrehen und zu zeigen, was ich kann. Ich will keine Namen nennen, aber die beiden Informatiker wissen, wovon ich spreche.



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2 Kommentare zu “Der neue Stern am Tischfussball-Himmel”



  • Rémy Blättler am 27. März 2012 16:48 Uhr

    Die beiden Informatiker waren bis jetzt gnädig. Aber die Schonzeit ist jetzt definitiv vorbei.


  • Küchenmesser am 12. April 2012 11:02 Uhr

    Schöner Artikel und gute Information, weiter so.
    Grüsse


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