Allgegenwärtige Ubiquität

ferdinand porsche

Wie man mit Fremdwörtern das Publikum vergraulen kann und was das mit Porschefahren zu tun hat.

Ich habe kürzlich einen Text gelesen, der mir in Erinnerung geblieben ist. Nicht, weil er besonders gut geschrieben war oder weil mir das Thema besonders gefallen hat. Nein. Er blieb mir in Erinnerung, weil darin unglaublich viele Fremdwörter vorkamen. Es war kein Fachtext, es war ein Kommentar in einer Tageszeitung.

Übergegenwärtig

Eines dieser Fremdwörter war «Ubiquität». Die einen oder anderen kennen das Wort bestimmt aus dem Englischen (ubiquity) oder aus dem Lateinischen (ubiquitas). Man kann es natürlich mit Ubiquität übersetzen, ja. Aber man könnte auch Allgegenwart sagen. Oder man könnte sagen, dass etwas allgegenwärtig ist, was eigentlich noch besser wäre.

Intellektuelles Porschefahren

Ich stellte mir die Frage, ob man schlauer ankommt beim Publikum, wenn man bewusst komplizierte Ausdrücke und Fremdwörter verwendet. Diese Frage stellten sich übrigens auch schon Psychologen der Princeton University (der Titel ist wunderbar).

Ob man schlauer klingt? Vielleicht. Ob das gut ankommt? Möglich. Ich finde aber nicht. Ich bekomme bei solchen Texten immer Brechreiz. Wieso in aller Welt will man Leute ausschliessen, wenn man etwas schreibt? Das ist absolut sinnfrei. Man schreibt doch, weil man gelesen werden will, weil man ein Publikum mit dem Text erreichen will, eine Botschaft übermitteln möchte. Und nicht, damit man andere ausschliessen und so irgendwelche Komplexe kompensieren kann. Für mich ist dies das intellektuelle Gegenstück zum Porschefahren: Es wird geprotzt, weil man damit irgendetwas kompensieren muss, das anderswo fehlt.

Erlaubt ist, was nicht stört

Verstehen Sie mich nicht falsch: Es ist sinnvoll, die richtigen Wörter an den richtigen Stellen einzusetzen. Wenn es ein Fremdwort ist, dann ist es ein Fremdwort, das kommt vor. Aber man sollte es nicht erzwingen, das schmälert die Lesefreude und vergrault das Publikum. Und das will eigentlich niemand.



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