Rösti kochen in der Romandie

rosti

Wie es sich in einer zweisprachigen Stadt an einer zweisprachigen Uni lebt und wie man sich dort verständigt. Oder eben nicht.

In einer meiner ersten Vorlesungen sagte der Professor zu Beginn: «Ich gehe davon aus, dass Sie alle mindestens drei Sprachen sprechen.»
Und dann legte er los. Die Folien auf Englisch, seine Kommentare auf Deutsch, dann, als jemand eine Frage auf Französisch stellte, ging es auf Französisch weiter. In diesem Moment dachte ich mir: «Hier fühle ich mich zu Hause, hier will ich sein.»

Der erste Monat an einer zweisprachigen Uni

Es ist ein guter Monat vergangen, seit ich mit meinem Studium in Fribourg begonnen habe. Es ist sehr spannend und ich glaube, dass ich am richtigen Ort bin. Noch spannender finde ich mein Fazit in Bezug auf die Mehrsprachigkeit. An der Uni sind ungefähr 50% der Studierenden deutscher Muttersprache. Daneben gibt es eine Reihe anderer Sprachen, die man in den Gängen hört. Viel davon ist Französisch. Die Uni ist auch sehr stolz darauf, dass alles so mehrsprachig ist. Es ist besonders lustig, wenn man jemanden nach dem Weg fragt: Man muss auf gut Glück eine Sprache wählen, bei mir war es bis jetzt meistens die falsche.

Die Stadt sieht das anders

Obwohl ich mich auf Uni-Boden noch ziemlich tief im Röstigraben fühle, ist in der Stadt alles klar. Es reden gefühlte 100% der Bevölkerung Französisch. Da kann man nicht so viel falsch machen. Allerdings kommt es darauf an, wo man sich aufhält. Während im oberen, neuen Stadtteil mehr oder weniger alles Französisch funktioniert, spielen sich in der Basse-Ville, also unten am Fluss in der Altstadt, mitunter kuriose Szenen ab: «Nei, dasch zvüu, tu me connais». Aha. Das gefällt mir. Und es hat sogar einen Namen: Bolze. Eine merkwürdige Mischung aus Deutsch und Französisch.

Kommunikationsschwierigkeiten

Da ich die ganze Geschichte um das Bolze extrem spassig finde, habe ich mir angewöhnt, französische Wörter in mein Züridütsch einzuflechten. Angefangen habe ich mit «voilà», was den meisten Bernern und vielleicht einigen Zürchern einigermassen geläufig vorkommen sollte. Wenn es dann aber mehr wird und ich Dinge sage, wie «Ah, regarde, de Zug fahrt scho. Merde. Ca va, dän nämemer halt de nächscht.», kommt das nicht immer so gut an. Vor allem, weil ich dann meist mein breitestes Fransä Federal auspacke. Zum Leidwesen meiner äusserst charmanten Freundin, die schon seit zehn Jahren in Fribourg wohnt und sich dann meist in Grund und Boden schämt.



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