Züritütsch in Genève

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Schweizerdeutsch in der Romandie? Genf macht es vor und will seinen Schülerinnen und Schülern die Dialekte der Deutschschweizer näherbringen.

Es geht ein Gespenst um in der Romandie. Das Gespenst vom Schweizerdeutschen. Von vielen gefürchtet, von den wenigsten verstanden oder gar gesprochen. An den Westschweizer Schulen wird zwar Deutsch gelehrt, jedoch «nur» die Standardsprache. Wenn ein Romand aber in die Deutschschweiz kommt, ist er mehr oder weniger verloren: In der Deutschschweiz spricht man ja gar kein Hochdeutsch. Dies dachte sich auch der Genfer Erziehungsdirektor Charles Beer, und seit Beginn dieses Schuljahres bekommen die Genfer Schüler der 10. und 11. Klasse im Rahmen des Deutschunterrichts eine «sensibilisation aux dialectes», wie die NZZ schreibt.

In Zürich bezahlt man mit Euro

Es geht nicht primär darum, Mundart zu beherrschen; man will die Schüler mit der besonderen Situation in der Deutschschweiz vertraut machen, die von den Linguisten «Diglossie» genannt wird. Zusätzlich geht es darum, den Schülern und Schülerinnen im multikulturellen Genf etwas Wissen über die Schweiz beizubringen: Ein Schüler fragte vor einer Reise in die Deutschschweiz, ob er Euro mitnehmen müsse.

Es gibt kein Schweizerdeutsch

Aber welches Schweizerdeutsch soll denn beigebracht werden? Züritüütsch? Baseldytsch? Oder gar der Bündner Dialekt? Es gibt ja kein Schweizerdeutsch an sich, Schweizerdeutsch ist eine Sammlung von zahlreichen Dialekten, deren Sprecher sich teilweise untereinander nicht mal verstehen (gehen Sie mal ins Lötschental, dann wissen Sie, was ich meine). Vielleicht sollte man es mit Berndeutsch versuchen, das ist ja so schön langsam. Dieser Vorschlag ist übrigens nicht auf meinem Mist gewachsen; er wurde vom Präsidenten der Bildungskommission gemacht.

Effort machen und verstanden werden

Andere welsche Kantone fanden Gefallen an der Genfer Idee, doch es gab auch negative Stimmen: Will man Hochdeutsch durch Schweizerdeutsch ersetzen? Keine Angst, man will nicht. Aber man will sensibilisieren. Und das finde ich eine gute Idee, denn die Verständigung zwischen Deutschschweizern und Romands harzt gewaltig, wenn man sich nicht gerade in einem zweisprachigen Kanton aufhält. Wenn ich in Fribourg Französisch rede, wird mir oft gesagt, dass ich es sehr gut kann. Was nicht der Fall ist, mein Franz ist mittelmässig. Aber ich mache einen Effort, und das zählt. Dies geht jedoch nur, wenn man ein klein wenig Bescheid weiss über die Sprache. Danach kann man sich, im Notfall, immer noch auf Englisch verständigen. Wichtig ist der gegenseitige Respekt, sonst wird der Röstigrabengraben nur noch breiter und die Rösti ungeniessbar.



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