Was Übersetzungen mit Katzenfutter zu tun haben

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Übersetzen kann jede und jeder, das ist nicht schwierig. Und es ist auch egal, wenn mal etwas nicht so genau stimmt. Darum genügt im Prinzip Google Translate. Wirklich?

«He just translates, why is that so expensive?» Dies ist eine Originalaussage eines Anrufers, der sich über unsere Preise beklagte, nachdem er sich nach unseren Dienstleistungen erkundigt hatte. Ein Wort macht die Aussage noch ungerechtfertigter als sie bereits ist: «just». Nur.

Really? Nur? Was gehört denn bitteschön schon dazu, Inhalte von einer Sprache in eine andere zu übertragen? Dazu reichen doch Google Translate und im Notfall dict.cc und Linguee. Genau. Darum studieren auch zahlreiche Menschen auf dieser Welt Sprachen oder Übersetzen. Weil es eigentlich nichts dazu braucht. Stimmt nicht ganz. Auf den ersten Blick scheint es vielleicht so, als ob das einfach ein Spiel ist, bei dem alle machen können, was sie wollen und sich nebenher noch Blumen ins Haar stecken. Bis man das erste Mal einen Text übersetzt, der über das Niveau einer durchschnittlichen Schweizer Tageszeitung geht.

Unvorhergesehene Hindernisse

Man spürt plötzlich die Hürden, die Schwierigkeiten und das eigene Hirn, das plötzlich gar klein und ziemlich beschränkt wirkt. Eine gute Übersetzung setzt enorme Fachkenntnisse voraus; ein ausgeprägtes Sprachgefühl ist unumgänglich und das Talent zum Schreiben mehr als hilfreich. Eigentlich schreibt man einen Text in einer anderen Sprache neu. Es müssen aber zusätzlich noch Dinge wie der Adressatenkreis, das kulturelle Umfeld und sprachliche Eigenheiten in der Zielsprache beachtet werden. Nicht alles lässt sich einfach so übertragen, vieles muss angepasst werden, damit der Text für das Zielpublikum nicht «fremd» wirkt. Wie oft habe ich schon Texte gelesen, die offensichtlich «übersetzt» wurden. Merkwürdige Wortkreationen, die einfach und ohne Liebe aus dem Englischen übernommen wurden. Referenzen im Text, die sich klar auf einen anderen Kulturkreis beziehen, der dem durchschnittlichen Mitteleuropäer nicht vollumfänglich bekannt ist. Falsch eingesetzte Fachwörter, die dem Text eine neue und darum falsche Bedeutung geben.

Werde ich ernst genommen?

Wenn ich einen solchen Text lese, fühle ich mich – verzeihen Sie mein Französisch – verarscht. Will der Autor mich für dumm verkaufen? Werde ich als Teil der Zielgruppe und potenzieller Konsument überhaupt ernst genommen? Die Empfänger der Nachricht, also wir, die Leser, reagieren weitaus sensibler auf Kleinigkeiten und subtile Unstimmigkeiten, als man gemeinhin vermutet. Man merkt es einfach, wenn in der eigenen Muttersprache etwas nicht stimmt.

Google Translate und Katzenfutter

Klar, Online-Wörterbücher und auch Linguee sind sicher gute Inspirationsquellen, aber die reichen eben nicht. Es reicht auch nicht, wenn man die Google-Translate-Übersetzung editiert und sprachlich poliert, sie bleibt Google Translate. Eine meiner ZHAW-Dozentinnen sagte einst dazu: «Sie können auch Katzenfutter mit Rahm und ein paar Gewürzen verfeinern. Es riecht dann vielleicht ganz gut und im besten Fall ist man nur bedingt irritiert beim Essen. Aber im Grunde bleibt es Katzenfutter.»

Ich will kein Katzenfutter vorgesetzt bekommen. Möchten Sie es?

Bild: Foufou, der liebenswerte Kater meiner bezaubernden Freundin. Und Sie sehen richtig: Er möchte Katzenfutter. Aber er ist auch eine Katze.



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