Übersetzungssoftware. Was bringt sie, was taugt sie?

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Die Vor- und Nachteile von Übersetzungssoftware, wann man sie am besten einsetzt und in welchen Fällen man eher zurückhaltend sein sollte.

Endlich Ferien! Sie haben ein lauschiges Hotel ausgesucht und checken bei TripAdvisor die Bewertungen. Haben Sie sich auch schon gewundert, wie grottenschlecht diese Kommentare oft geschrieben sind? Kein Wunder. Denn da heisst es: «Diese Bewertung wurde maschinell aus dem Englischen übersetzt». Die Qualität dieser Übersetzungen strebt gegen Null. So allerdings auch die Übersetzungskosten. Sehen wir hier das Ende des Übersetzerberufs? Können wir jetzt alle Übersetzer in die Ferien schicken?

Syntax Error bei Transkreation

Mitnichten. Obwohl die Sprachtechnologien immer besser werden – kreatives Denken bleibt der Maschine vorenthalten. Für wichtige Headlines wie unseren Slogan «Wir legen ein gutes Wort für Sie ein.» sind die maschinenübersetzten Vorschläge von Google unbrauchbar. «Nous avons mis dans un bon mot pour vous.» Mon Dieu! Das stellen sich jedem Franzlehrer die Nackenhaare auf. In vielen Fällen lohnt es sich, einen Text in der Fremdsprache neu zu schreiben. In unserem Beispiel: «Ne cherchez plus vos mots, ils sont chez nous.» Das ist offensichtlich besser. Trotzdem ist Übersetzungssoftware in der heutigen Übersetzerwelt nicht mehr wegzudenken. Und zwar nicht nur um Kosten zu sparen.

CAT-Tools steigern Konsistenz

Immer öfter setzen Unternehmen und Übersetzungsbüros sogenannte CAT-Tools ein. CAT steht für Computer-aided Translation, auf Deutsch computerunterstützte Übersetzung. Unter Tools ist im Fachjargon von Programmen die Rede. Und zwar von Übersetzungssoftware wie zum Beispiel SDL Trados, Déjà vu, Star Transit, Across und Wordfast. Das meist verbreitete Programm ist SDL Trados Studio. Es ist das Microsoft Office in der Übersetzungsbranche. Deshalb sind wir bei Supertext Associate Partner.

Im Grunde funktionieren jedoch alle Programme ähnlich. Der Text wird als Word-Dokument oder einem anderen Dateiformat in das Programm eingelesen und in einzelne Satzteile, sogenannte Segmente, unterteilt. Der Übersetzer übersetzt nun die einzelnen Segmente direkt in der Software und das Programm speichert diese in der Datenbank «Übersetzungsspeicher» ab. Ist bei einem nächsten Auftrag ein identischer Satzteil zu übersetzen, so schlägt das Programm die gespeicherte Übersetzung vor. Bei ähnlichen Texten kann eine Konkordanzsuche in allen gespeicherten Segmenten vorgenommen werden. Das beschleunigt die Recherche und fördert die Konsistenz der Übersetzungen.

Zum Übersetzungsspeicher kann eine Terminologie-Datenbank angelegt werden. Hier können Fachbegriffe mit entsprechenden Übersetzungen und Kommentaren eingepflegt werden. Ebenfalls hinterlegt man hier eine Blacklist mit Begriffen, die nicht verwendet werden dürfen.

Also nur Vorteile?

Das klingt alles wunderbar. Aber es gibt auch Nachteile. Und zwar einige. Durch die Aufteilung auf Segmente ist der Übersetzer in der Struktur des Ausgangstextes gefangen. Dies kann etwas entschärft werden, wenn die Segmente auf die abschnittsweise Bearbeitung eingestellt werden. Geht dann aber wieder auf Kosten des Speichers. Dazu kommt, dass der Übersetzer nicht im Layout sondern in einer Excel-ähnlichen Darstellungsform übersetzt. Segment für Segment. Der Blick für den ganzen Text geht verloren. Die Gefahr besteht, dass der Text abgehackt klingt, nicht aus einem Guss. Aus diesem Grund sind die Tools vor allem bei technischen Texten mit vielen Wiederholungen sehr effizient. Im Werbebereich sind die Tools nur für Konsistenz und Terminologie sinnvoll. Denn am Ende ist es eine gute Übersetzung, wenn man ihr nicht ansieht dass es eine Übersetzung ist.

Bei der maschinellen Übersetzung, Sie erinnern sich an die Kundenfeedbacks auf TripAdvisor, geht der Trend dahin, eingehende Kommunikation zum Verständnis zu automatisieren. Die Maschinen werden laufend mit Übersetzungsspeicher und Korrekturen von Menschenhand trainiert. Versuchen Sie mal auf Facebook Status Updates von Freunden via Bing übersetzen zu lassen. Ist ziemlich lustig.

Bild: Blakespot auf Flickr (CC BY 2.0)

 



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