Eine Eselsbrücke bauen? Klar doch. Aus Holz oder Beton?

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Redewendungen können Fremdsprachler in verzwickte Situationen bringen und peinlich enden. Wie kann man das vermeiden? Indem man sie alle kennt.

Wahrscheinlich haben auch Sie schon eine Redewendung in einer Fremdsprache nicht verstanden. Ist auch nicht weiter schlimm. Eigentlich. Aber mir ist es schon sehr oft passiert. Meist auch mit einem peinlichen Touch. Meine Muttersprachen sind Italienisch und Deutsch. Wobei mir Italienisch doch näher liegt und ich die Sprache besser beherrsche, die Facetten besser ausleuchten kann. Darum auch die Verwirrung bei Redewendungen im Deutschen.

Redewendungen für einen Fremdsprachler

Aus oben genannten Gründen kam es zum Beispiel zu folgender Episode: Meine Kollegin hatte Augenprobleme und der Arzt hat ihr Augentropfen gegeben, die waren aber ihrer Meinung nach «für d’Füchs», was im Schweizerdeutschen bedeutet, dass etwas nichts bringt, quasi verloren ist.

Für d’Füchs also. Na okay. Ich weiss, dass meine Oma ab und zu Entzündungshemmende Salben verwendet hat, die eigentlich für Pferde gedacht sind. Das fand ich schon seltsam genug. Aber Augentropfen für Füchse, die von Menschen verwendet werden? Brauchen Füchse überhaupt Augentropfen? Natürlich hat sie mich sehr verwirrt angeschaut und in jenem Moment wohl meine geistige Verfassung arg in Frage gestellt. Aber ich kann doch nichts dafür.

So ein Fehler kann nur einem Fremdsprachler passieren. Was für einen Muttersprachler selbstverständlich ist, würde ich nicht als Redewendung erkennen.

Wenn ich zu Ihnen sage, dass ich in bestimmten Situationen nicht immer weiss, welche Fische zu fangen sind, löst das auch oft Verwirrung aus. Aber eigentlich gibt es nichts Verwirrendes daran, im Italienischen gehört das zum Standardwortschatz. «Non sapere che pesci pigliare» bedeutet, dass man nicht weiss, was zu tun ist.

Übersetzer und Dolmetscher

Wie man an solchen Beispielen merkt, kann man nicht alles Wort für Wort übersetzen. Redewendungen sind spezifische kulturelle Eigenheiten und gehören untrennbar zu den gelernten Sprachen. Man sagt auch, dass man nur eine Sprache wirklich beherrscht, wann alle Redewendungen verstanden werden. Und um die Brücke zwischen den Sprachwelten richtig zu schlagen, braucht es Sorgfalt und Wissen. Und die richtigen Sprachprofis. Egal, ob sie aus Beton, Holz oder Esel gemacht ist.

Bild: Pete auf Flickr (CC BY 2.0)



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