Virales Marketing und Wut

wut

Wie verbreitet sich ein Inhalt viral im Internet? Er muss gut sein und interessant. Aber noch wichtiger: Er muss Emotionen auslösen. Nun hat eine Studie herausgefunden, dass Wut am viralsten ist.

Ich bin vor Kurzem auf einen Facebook-Post gestossen. Es ging um einen Vorschlag im britischen Parlament, der die arbeitslosen Sozialhilfebezüger in Grossbritannien zum Arbeiten bringen soll. Und zwar unentgeltlich, einfach, damit sie nicht nichts tun. Mir geht es im Rahmen dieses Blogposts nicht darum, diesen Vorschlag zu kritisieren. Es geht mir um die Diskussion, die darüber entflammt ist. Verständlicherweise wurde sie recht hitzig geführt. Und zahlreiche Menschen diskutierten mit (und tun es wohl immer noch). Dabei wurde der Post oft «geteilt» und somit viral weiterverbreitet. Womit wir beim Thema wären.

Ist Wut gut?

Wir haben bereits über die virale Verbreitung von Artikeln im Internet berichtet. Emotionen sind dabei wichtig, Dinge, die Menschen ins Thema hineinziehen, sie involvieren. Freude ist so eine Emotion, Wut auch. Doch welche Emotion hat mehr Einfluss? Laut einer Studie der Universität Beihang in Peking ist es die Wut. Die Studie untersucht das Verhalten der User auf der chinesischen Version von Twitter, Weibo. Es stellte sich heraus, dass Wut viel viraler ist als zum Beispiel Freude, Trauer oder gar Ekel. Zumindest in China. Aber ich glaube, dass wir in diesem Punkt wahrscheinlich nicht so verschieden sind. Das Phänomen ist ja auch im Westen zu beobachten: Solange man anonym die Wut rauslassen kann, macht man es auch. Zwar werden Bilder von herzigen Katzen auch gerne im Internet herumgereicht, aber möglicherweise ist da nicht die gleiche Leidenschaft dahinter wie zum Beispiel bei einer Hasstirade gegen die korrupte Regierung.

Moralische Entrüstung

Derek Mead, Chefredaktor bei Motherboard, beschreibt in seinem Artikel schön, dass man gerne Dinge im Internet verbreitet, die uns schlau erscheinen lassen oder die wir mit Leidenschaft angehen. Die Emotionen Trauer und Ekel passen da nicht rein. «Dieser Typ ist total scheisse» wird schneller mal retweetet als «Das Leben ist so unfair». Wahrscheinlich weil die beiden oben genannten Emotionen einfach nicht so kompatibel sind mit unserem sorgfältig zusammengestellten Online-Ich. Aber moralisch legitimierte Entrüstung? Gold wert im Internet.

Bild: Craig Sunter auf Flickr (CC BY 2.0)

 



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