Werbetexter in zwei Tagen

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Wie lange braucht man, um Werbetexter zu werden? Reichen zwei Tage oder braucht man ein ganzes Leben dafür?

Die renommierte Texterschmiede in Hamburg bietet einen Lehrgang zum Texter an, der zwei Tage dauert. Zwei Tage, um Texter zu werden? Ist das nicht ein bisschen wenig? Der Zeit-Autor Christian Heinrich hat einen Selbstversuch angestellt. Sein Fazit ist positiv, auch wenn er anmerkt, dass es nicht möglich ist, innert zwei Tagen ein Textprofi zu werden. Doch wie lange braucht man, um richtig gut texten zu können; was müssen Sie tun, um ein guter Texter, eine gute Texterin zu werden? Wir haben bei unseren Schreibern nachgefragt:

Wie lange dauerte es, bis Sie gut waren? Was muss man Ihrer Meinung nach beachten, um richtig gut zu texten?

 

Grüezi. Das sei eine gute Anrede, haben mir die Menschen von Supertext vor meinem ersten Auftrag gesagt. Und dann liessen sie uns allein, mich und mein Bauchgefühl. Auf mehr kann ich nämlich nicht zurückgreifen, Texten habe ich nie gelernt. Fünf Jahre und unzählige Jobs später bin ich mir sicher: Texten kann man nicht lernen, man muss es üben. Regelmässig. Wie Klavierspielen. Und mit der Zeit wird man immer besser darin. Auch Sie haben ein Schreibtalent. Finden und fördern Sie es. Lesen Sie schlaue Ratgeber und begeben Sie sich mit jedem einzelnen Text, den Sie verfassen, auf eine Heldenreise. Viel Spass dabei. Oder wenn es nicht klappt: Bis bald.

Nicole Simmen (Texterin und Fernsehjournalistin)

 

Vor 13 Jahren habe ich mich selbstständig gemacht. Ich glaubte, gut genug zu sein, um mich auf dem Markt zu behaupten. Wenn ich heute Texte aus dieser Zeit lese, zweifle ich an meinem Urteilsvermögen. Ich texte heute besser als gestern. Und ich werde morgen besser texten als heute. Texten ist ein ewiger Lernprozess. Aber ohne Talent kann jemand 100 Jahre lang texten und wird nie «richtig gut».

Roger Hausmann (Texter und Präsident des Textverbands Schweiz)

 

Woran erkennt eine Agentur, ob jemand das Zeug zum Texter hat und sich also ein Engagement lohnt? Ist es ein zweitägiger Lehrgang? Vielleicht. Für Reinhold Weber reichte es vollkommen, dass ich den gleichen Lieblingsschriftsteller (Raymond Chandler) hatte und die gleiche Zigarettenmarke (Camel ohne Filter) rauchte wie er, um bei ihm in der Texterschmiede aller Texterschmieden, in der GGK Basel, anfangen zu können. Danach ist es der eigene Anspruch, der darüber entscheidet, wie gut man wird. Und wie viel besser man jeden Tag werden möchte. Wie lange das dauert? Hoffentlich ewig.

Enrico Bachmann (Texter, Creative Director und heute Leiter Beratung bei Supertext, Erfinder von «Ich bin doch nicht blöd»)

 

«Weg damit», schnarrte mein Vater und entfernte endlich die Stützräder an meinem Dreirad. Gefunden hatte ich das Gleichgewicht allerdings nicht in Physikbüchern oder besorgten Elterngesichtern. Ich musste einfach in die Pedale treten und wieder aufstehen, wenn ich auf die Schnauze flog. Nach dem gleichen Prinzip wurde ich Texter. Einem Meister über die Schultern schauen, die Finger wund schreiben, den eigenen Stil finden und nach jeder Niederlage wieder auf dem Trainingsplatz erscheinen. Aber richtig gut wurde ich erst, als ich mein Publikum nicht mehr mit Wahrheiten belästigte. Denn Verführer sind Geschichtenerzähler.

Werner T. Fuchs (Texter, Spezialist für Neuromarketing und Storytelling)

 

Ich bin den klassischen Weg des Learning-by-doing gegangen. Und der dauert halt länger. Ich begann fast unmittelbar nach der Sprachenmatur als Junior-Texter und schrieb mich über die Jahre durch diverse grosse und kleine Werbeagenturen. Heute ginge das dank vielen guten Schulen sicher schneller. Ein guter Text ist süffig, spannend und überraschend. Wie man den hinkriegt? Talent gehört zum Texten, sicher auch Leidenschaft – aber vor allem geduldiges Handwerk.

Ueli Bleuler (Texter und Musiker)

 

Jeder Auftrag fordert mich neu heraus, es gut zu machen und besser zu werden. Um einen guten, das heisst klaren, schönen, erfrischenden Text zu schreiben, braucht es viel Übung und sprachliches Feingefühl. Da ich als Texterin im Auftrag schreibe, bedeutet «gut» aber immer auch, die kommunikativen Absichten des Kunden bestmöglich zu erkennen und umzusetzen. In zwei Tagen kann man sich nicht viel Erfahrung aneignen, vielleicht aber Tipps und Techniken, wie man zu Ideen kommt.

Manuela Di Franco (Texterin und Autorin)

 

Wie Sie sehen, gibt es keine Patentlösung. Eins ist jedoch klar: Es braucht mehr als nur zwei Tage, um gut texten zu können.

Bild: Fotopedia (CC BY-SA 2.0)



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2 Kommentare zu “Werbetexter in zwei Tagen”



  • Denise Schönenberger am 13. Januar 2014 11:08 Uhr

    Wer darf denn darüber urteilen, ob ein Werbetext gut ist? Und wann ist ein Werbetext wirklich gut? Wenn man ihn so schreibt, wie der Kunde es verlangt? Wenn man ihn so schreibt, dass die Zielgruppe ihn versteht? Wenn man seinen eigenen „Stil“ einbringt? Wenn man ihn mit möglichst vielen ungewöhnlichen Wortkreationen und Satz-Schleifchen schmückt?
    Meiner Meinung nach ist ein Werbetext nur dann wirklich gut, wenn er beim Leser eine Wirkung erzielt: wenn die Information ankommt oder die Handlung ausgelöst wird. Wie man es lernt, solche Texte zu schreiben? Mit einer Prise Talent und viel Übung. Und mit viel Lust, jeden Tag besser schreiben zu wollen als gestern.
    Ein Mann soll einmal einem bekannten Golfspieler beim Training zugesehen haben und meinte: „Ich bewundere Sie für Ihr Talent. Ich wünschte, ich hätte auch so viel davon.“ Daraufhin meinte der Golfspieler: „Ja, wissen Sie, es ist ist schon lustig. Je mehr ich übe, umso mehr Talent habe ich.“

    Denise Schönenberger, Jade Text und Konzept


  • Mauro Werlen am 13. Januar 2014 16:04 Uhr

    Guten Tag Frau Schönenberger

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Eine gute Frage, die Sie stellen. Ob ein Text gut ist, liegt im Auges der Betrachterin. Doch wenn man Werbetexte schreibt, so stimmen wir Ihrer Meinung zu: Die beabsichtigte Wirkung sollte erzielt werden. Talent hilft hierbei sicher, Übung ist noch wichtiger.


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