Ich will F***en

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Zahlreiche Länder dieser Erde haben eine Sexualpraktik, die ihnen zugeschrieben wird. Je nach Sprache verändern sich aber die Ausdrücke. Ob nun Liebe auf Französisch, Schwedisch, Deutsch oder Russisch gemacht wird: Das Thema wurde wissenschaftlich untersucht.

Der Titel sollte «Ich will Ferien» heissen. Das vulgäre Verb für Sex schreibt sich – wie alle Verben – klein. Aber schön, wie unser Hirn funktioniert. Da ist sicher das Internet schuld. Soweit ich mich erinnern kann, war der Satz im Titel auch mal Teil einer Kampagne eines Reiseveranstalters. Ich kann mich nicht mehr an den Namen erinnern und die Suche auf Google hilft nur bedingt. Aber nun zum Thema: Sex.

Geld, Oberschenkel, Öl

Sie kennen bestimmt den Ausdruck «es französisch machen». Als Sexualpraktik ist der Ausdruck bekannt, es handelt sich um Oralsex. «Griechisch»? Analsex. «Schwedisch»? Da wird es schon schwieriger: gegenseitige Masturbation. Aber kennen Sie «indisch» oder «vatikanisch», «albanisch» oder «russisch»? «Indisch» bezieht sich – wohl in Anlehnung an Kamasutra – auf komplizierte Stellungen, «vatikanisch» heisst, dass man dafür bezahlt und bei «albanisch» kommt die Kniekehle zum Einsatz. Bei «russisch» gibt es sogar zwei Erklärungen: Entweder man reibt den Penis zwischen den Oberschenkeln des Partners/der Partnerin oder man massiert sich mit viel Öl gegenseitig den Anus. Aha.

Die österreichische Linguistin Marietta Calderón hat sich mit der Semantik von Sexualpraktiken auseinandergesetzt und hat unter anderem die oben genannten Begriffe untersucht. Die ganze Ferkelei hier ist also wissenschaftlich legitimiert. Imfall.

Der Blick zum Nachbarn

Nebst den Begriffen, die eine Praktik beschreiben, hat Frau Calderón noch weitergeforscht. Je nach Sprache lassen sich verschiedene Dinge unter einem Begriff verstehen. Bei «deutsch» zum Beispiel. Im deutschsprachigen Raum werden die Missionarstellung sowie Sadomaso-Praktiken darunter verstanden, in England bedeutet «German» hingegen nur Letzteres. Lustigerweise wird «englischer» Sex auf Deutsch als SM-Sex verstanden. Offenbar schaut man gerne zum Nachbarn über die Grenze, wenn es darum geht, neue Beschreibungen zu finden.

Das funktioniert auch um zwei Ecken: Als «spanisch» wird auf Deutsch der so genannte «Busensex» verstanden, auf Spanisch heisst es «a la cubana», wenn der Penis zwischen zwei Brüsten gerieben wird. Auf Französisch – damit meine ich jetzt die Sprache – wird es noch ein wenig komplizierter: Je nach Richtung, in die der Penis zeigt, gibt es verschiedene Begriffe. Zeigt er in Richtung Gesicht, nennt man das «cravate de notaire», zeigt er Richtung Bauch müssen wieder die Spanier herhalten, man nennt das «branlette espagnole». Die Engländer sind da etwas kruder: French fuck. Egal, wo der Penis hinzeigt.

Sprachliche Vielfalt macht die Angelegenheit komplizierter

Was ist, wenn in einem Land mehr als eine Sprache gesprochen wird? Dann wird es spannend. Der Ausdruck «à la suisse» trägt der linguistischen Situation in der Schweiz Rechnung, indem er sowohl die Missionarstellung als auch den Oralsex einschliesst. Dass «italienisch» nicht einbezogen wurde, kann ich hingegen gut nachvollziehen.

Die Ursprünge der Begriffe hat die Forscherin übrigens nicht erforscht. Da gäbe es also noch etwas zu tun, liebe Linguisten.

Bild: Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)



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