Trendy wie Mia und Noah

Würden Sie Ihr Kind heute noch Gertrud oder Alois nennen? Wie Kleider und Schuhe unterliegen auch Vornamen gewissen Trends. Und können ganz schön viel über ihren Träger aussagen.

Wie heissen die Kids, die zurzeit zum ersten Mal die Schulbank drücken? Laut Bundesamt für Statistik dürften die Jungs mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Vornamen Tim, Luca und Leon hören, während die Mädchen überdurchschnittlich oft Lara, Sara und Lena heissen.

Kurz und bündig, dafür im Doppelpack

Wer in etwa so alt ist wie ich (also knapp 30), hörte an seinem ersten Schultag wohl ganz andere Vornamen durchs Klassenzimmer hallen. Damals waren Michael, Daniel, Christian, Julia, Sandra und Stephanie ganz weit oben auf der Hitliste. Bei meinen Grosseltern waren es hingegen eher Gertrud, Emma, Hans und Heinrich oder vielleicht sogar noch Alois, Gottlieb oder Liselotte.

Für heutige Standards wären diese Vornamen viel zu lang. Die aktuellen «Modevornamen» haben fast alle möglichst wenige Buchstaben, kommen dafür aber gerne im Doppelpack daher («Mia Alessia», «Noah Tim»…).

Wenn Luca Franz das Date streitig macht

Doch Vornamen sind nicht nur eine Frage des Trends, sondern beeinflussen auch die Art und Weise, wie wir unser Gegenüber wahrnehmen. Diverse Studien belegen beispielsweise, dass Maximilian oder Charlotte als intelligenter eingeschätzt werden als Justin oder Mandy, und dass Träger von modischen Vornamen spontan als überdurchschnittlich attraktiv bewertet werden. Luca und Leon haben auf Datingportalen also bessere Chancen als Hans und Franz.

Bei einer kleinen Video-Umfrage auf dem Unicampus in Jena wurden Studenten gefragt, wie sie ihr Kind niemals nennen würden. Erstaunlich häufig wurde dabei der Name Kevin erwähnt. Mittlerweile gibt es für diese Art von Wahrnehmung sogar schon einen Ausdruck: Uncyclopedia, das satirische Pedant zu Wikipedia, bezeichnet «Kevinismus» als «die krankhafte Unfähigkeit, menschlichem Nachwuchs menschliche Namen zu geben».

Wie jugendlich sind Marcel und Jeannine?

Weil Vornamen möglichst originell sein müssen, gibt man seinem Nachwuchs auch gerne mal einen ausländischen Vornamen. Nur: Vornamen werden in ihrem eigentlichen Ursprungsland nicht unbedingt gleich wahrgenommen wie in der Schweiz. In Frankreich sind Jeannine, Nicole, Marcel und René nämlich weit über 60 Jahre alt.

Fazit:Heute sind Mia und Noah top, Liselotte und Hans flop. Wetten, dass auch dieser Trend irgendwann wieder kippt?

Titelbild via Flickr: Baby Name Bracelet – slgckgc (CC BY 2.0)


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