Supereinfach: So faken Sie Französisch

Ein Genfer Kunde hat Sie zum Essen eingeladen und Sie können kein Französisch? Doch doch, das können Sie! Wir zeigen Ihnen, was zu tun ist, um so zu wirken als ob Französisch ihre Muttersprache wäre. Und zwar ohne einen einzigen Satz bilden zu müssen.

 

Pünktlichkeit

Kommen Sie auf gar keinen Fall zu früh. Nach den 10 Jahren die Sie (naja, vielleicht in Gedanken) in Paris verbracht haben, wissen Sie natürlich, dass die Meetings nie pünktlich anfangen. In Genf ist es ähnlich. Nach der traditionellen Begrüssung («Bonjour Monsieur» das haben Sie nicht vergessen, oder?), lassen Sie einfach Ihren Ansprechpartner reden. Wie? Tun Sie so wie in der Schule, als Sie befürchtet haben, aufgerufen zu werden: Suchen Sie ein Taschentuch in Ihrer Handtasche. Sie können sich auch riesige Stücke Brot in den Mund legen, um Zeit zu gewinnen – Sie sind ja im Restaurant. Jetzt fängt Ihr Kunde an zu reden. Und Sie sind ganz einfach einverstanden, mit allem was er sagt.

 

Zustimmung signalisieren

Ich habe lange nicht gewusst, dass man deutsche Muttersprachler bis zum Ende eines Gedankenganges reden lassen muss, bevor man reagiert und antwortet. Unterbrechen gilt auf Deutsch als unhöflich. Auf Französisch dürfen Sie unterbrechen, aber NUR um Ihre Zustimmung zu signalisieren. Nicken Sie und sagen Sie ab und zu Sachen wie «ah ah», «ben oui», «c’est clair», «hum hum», «ok». Wichtig ist, dass Ihr Ansprechpartner sieht, dass Sie ihn verstehen und weiterreden lassen. So wird er immer weiterreden. Und Sie werden immer mehr Zeit gewinnen. Sorgen Sie dafür, dass Sie immer etwas zu trinken oder zu essen griffbereit haben, um Ihrem Kunden das Feld zu überlassen.

 

Mitmeckern

Es ist so: Französischsprachige Leute meckern gerne. Das tut gut. Vor allem, wenn die Anderen am Tisch auch mitmeckern. Sie werden bestimmt bemerken, wenn Ihr Gesprächspartner verärgert ist. Er spricht lauter und gestikuliert aufgeregt. Sie verstehen zwar kein Wort aber er möchte sicher, dass Sie seine Meinung teilen. Sonst gäbe es für ihn keinen Grund zu meckern. Nun ist es an der Zeit für Sie, Geräusche zu machen. Aber nicht irgendwelche! Die gängigsten sind Folgende: «rhoooo», «pssss» und «pfffff». «Ohlala» und sogar an «Rohlala» oder «Non mais!» können sie sich wagen. «Ohlalaaaa… Pfff… N’importe quoi…» ist mein Lieblingsbeispiel. Dabei dürfen Sie gerne laut werden und ein paar kleine Schnalzer versuchen: «tttt». Wichtig ist auch, dass Sie nicht ruhig sitzen bleiben. Sie müssen erleben, was Ihr Kunde erzählt! Blicken Sie flehend zum Himmel, schütteln Sie den Kopf von rechts nach links oder öffnen Sie den Mund, als wären Sie wirklich schockiert. Haben Sie keine Angst zu übertreiben. Wenn die Französischsprachigen meckern, dann ist die Situation schlimm.

 

Begeisterung zeigen

Nach dem Meckern beruhigt sich Ihr Ansprechpartner. Jetzt lächelt er und zeigt Ihnen Fotos vom neuen Büro oder dem neuen Produkt, das seine Firma entwickelt hat. Egal was er sagt, er will Sie ein bisschen beeindrucken. Ihre Reaktion: Nicht zu viel Begeisterung! Pfeifen sie lieber diskret, das passt zur Situation. «Aha» und «oho» können Sie auch benutzen. Auf Französisch ist man aber generell eher vorsichtig mit Begeisterung. Mit «Aaaah, whooohooo, yeaaah!» sind Sie fehl am Platz. Auch wenn etwas schön ist, ist das kein Grund hysterisch zu werden. Auch Übertreibung ist nicht angebracht. Franzosen und Romands lassen sich nicht so schnell beeindrucken.

Wenn Sie es nun mit viel trinken und kauen geschafft haben, dass Ihr Ansprechpartner das ganze Gespräch führt, ist alles perfekt. Er wird Ihnen nicht böse sein. Er hat sicher schon oft gehört, dass die Deutschschweizer eher zurückhaltend und langweilig sind. Nun können Sie den Röstigraben wieder überqueren und Ihrer Familie erzählen, wie Sie heute bilingue geworden sind.

 

Das Foto «Cliche» hat Fotograf Sören Hoven geknipst. Merci!



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