Sag doch mal was: Dolmetschen mit Google Translate im Test

Seit letzter Woche steht für alle Nutzer der Google-Translate-App ein Update bereit. Nicht nur die Echtzeitübersetzung mit Word Lens ist neu, auch die Spracheingabe wurde optimiert. Wir haben die neue Funktion ausprobiert und «Christus auf dem Parkplatz» gehört.

Wir testen ihn nicht zum ersten Mal: dass der Übersetzungsdienst von Google zwar lustig ist, man im Ernstfall aber lieber echte Menschen einsetzen sollte, war im vergangenen Jahr bereits das Fazit von Mauro, nachdem er sich gefragt hatte, ob Google Translate beim Flirten helfen kann. Der BuzzFeed-Artikel «19 Momente, in denen Google Translate keine Hilfe war» bewies als beliebtester Facebook-Post 2014, dass auch unsere Kunden, Freelancer und Freunde so ihre Erfahrungen mit Google Translate gemacht hatten. Entsprechend bescheiden waren meine Erwartungen an das angekündigte Update.

Als der Suchmaschinen-Riese letzte Woche seine aktualisierte Version im App-Store freigab, wurde ich dann doch etwas nervös. Die ersten Reviews waren durchwegs positiv. Neben der Echtzeitübersetzung via Kamera kann die App gesprochene Wörter und Sätze aufnehmen, die Sprache erkennen und sie neu auch sofort akustisch in der Zielsprache ausgeben. Ein Sprachkurs mit einer Roboter-Stimme?

Ich habe Corina, unsere Sprachmanagerin für Französisch, gebeten, die Spracheingabe und Übersetzungsfunktion genauer unter die Lupe zu nehmen:

Top:

Die App von Google Translate ist mit Sicherheit ein nützlicher Reisebegleiter. Fragen wie «Können Sie mir den Weg zum Bahnhof erklären?» oder «Wo befindet sich das Hotel?» werden schnell und mehr oder weniger fehlerfrei übersetzt. Auch erste Flirtversuche können mit der App problemlos gemacht werden (zumindest, wenn es um Äusserungen wie «Wie heisst du?» oder «Du hast schöne Augen!» geht). Sehr cool finde ich auch, dass die App nicht nur «mitschreibt», was gesagt wird, sondern den Satz auch gleich ausspricht.

Flop:

Doch genau an diesem Punkt hapert es noch ein wenig. Bei der Aussprache gewisser Wörter besteht deutliches Verbesserungspotenzial – zumindest in der französischen Version. Zudem scheint Google Translate die französische Umgangssprache nicht zu beherrschen: «10 balles» – was umgangssprachlich «10 Franken» bedeutet – wurde mit «10 Kugeln» übersetzt. Auch ist es wichtig, langsam und deutlich zu sprechen, weil sonst die Gefahr besteht, dass die App etwas falsch interpretiert, was zu lustigen – oder peinlichen! – Missverständnissen führen kann. «J’ai entendu le crissement de la GTI sur le parking» («Ich habe das Quietschen des GTIs auf dem Parkplatz gehört») wurde so kurzerhand mit «Ich habe Christus auf dem Parkplatz gehört» übersetzt. Suboptimal. Sogar Vornamen werden teilweise übersetzt, und auch die Satzstruktur des Zieltextes ist teilweise nicht ganz korrekt, wie folgendes Beispiel beweist: «Marguerite, quand est-ce qu’on mange?» übersetzte die App mit «Gänseblümchen, wann wir essen zu tun?».

Fazit:

Die Spracherkennung der Google-Translate-App ist ein gutes, aber nicht perfektes Tool. Wenn es um seriöse oder heikle Gespräche geht, bleibt der Dolmetscher wohl weiterhin unumgänglich.

Titelbild: Screenshot via Google Translate



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