Selfpublishing – So schreiben und veröffentlichen Sie Ihr eigenes Buch

Ein Buch schreiben ist der Traum von vielen. Ich habe es vor zwei Wochen getan. Und zeige Ihnen, wie ich es gemacht habe. Eine Anleitung von A bis Z.

Google, Youtube, Facebook, iPhone, iPad, Internet – wer liest denn heute noch Bücher? Überall gehen die Zahlen zurück. Und doch ist es heute so einfach wie nie, mit einem Buch Leser zu finden. Gemäss Studie von Hugh Howey stammt fast jeder dritte E-Book-Bestseller bei Amazon von Selfpublishern.

Selfpublisher? Sind das nicht die, die keinen Verlag finden? Diese Hobby- und Möchtegern-Autoren? Ja und nein. Ein Buch im Selbstverlag herausbringen ist in den USA längst salonfähig. Auch in Europa sind Indie-Autoren auf dem Vormarsch. Gemäss Dr. Florian Geuppert, Geschäftsführer von BoD, befinden wir uns mitten in einem Wandel:

«Die Motivation der Autoren, Bücher im Selbstverlag zu veröffentlichen, erfolgt nicht mehr nur aus einem leidenschaftlichen Hobby heraus, sondern ist zunehmend von einem professionellen Interesse geprägt.»

Ich wollte schon immer ein Buch schreiben. Und zwar bevor ich 40 werde. Und da die Zeit langsam knapp wurde – im April ist es soweit –, habe ich im Januar beschlossen, aus meinen 50 besten Papa-Blogs ein Buch zu machen. Um einen Verlag dafür zu begeistern hätte die Zeit kaum gereicht. Ich habe es gar nicht erst versucht. Und als Unternehmer war mir Do-It-Yourself auf Anhieb sympathisch.

Schritt 1: das Buch schreiben

Es beginnt mit dem schwierigsten Teil: was soll ich schreiben? Wer absolut keinen Plan hat, kann es zum Beispiel mit der 30-Tage-Methode des Guardian versuchen. Ist der Inhalt definiert, braucht es noch ein Schreibwerkzeug. Den meisten kommt hier wohl als erstes das gute alte Microsoft Word in den Sinn.

Aber Achtung: Jeder, der schon mal ein Dokument mit mehr als 50 Seiten geöffnet hat, weiss, wie schnell das unübersichtlich wird. Kommt dazu: Word ist als Schreibumgebung wahnsinnig unsexy. Als Alternative empfehlen sich Schreibprogramme für Autoren. Ich stelle zwei Tools kurz vor:

Scrivener

Viele Autoren schwören auf Scrivener. Man kann damit lange Texte schnell und einfach strukturieren, indem man für jedes Kapitel, jede Szene, jeden Charakter, etc. ein separates Blatt anlegt. Die Blätter können in einer Übersicht, dem sogenannten Corkboard, ständig neu angeordnet und kombiniert werden. So wie Post-its am Kühlschrank. Scrivener ist ein ausgewachsenes Schreibstudio für Mac und Windows. Warum Scrivener so genial ist, kann man hier im Beitrag von Beitrag von t3n nachlesen.

Ulysses

Ich persönlich habe von Scrivener zu Ulysses gewechselt. Warum? Ich könnte es nicht besser erklären als der Bestseller-Autor Devid Hewson es hier tut. Ulysses ist einfacher, schöner und unkomplizierter als Scrivener. Und enthält doch alle Funktionen, die man braucht. Besonders der Fullscreen-Modus hat es mir angetan. Ulysses gibt es nur für den Mac. Und in Kürze auch für das iPad (bin im Beta-Tester-Programm dabei). Ich schreibe alle meine Texte (auch diesen Post) damit. David Hewson hat ein E-Book geschrieben, das wunderbar aufzeigt, wie man mit Ulysses ein Buch schreibt.

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Wer das absolut puristische Schreibfeeling sucht, dem lege ich die Hipster-Schreibmaschine Hemingwrite ans Herz. Oder eine richtige Schreibmaschine. Oder einen Kugelschreiber. Wussten Sie, dass Quentin Tarantino von Hand schreibt? Hier eine Galerie von 10 bekannten Autoren, die keine modernen Tools benutzen. Am Ende kommt es eben nicht auf das Tool an. Sondern auf den Text.

Schritt 2: das Buch lektorieren und korrigieren lassen

Tun Sie Ihrem Buch und dem Leser den Gefallen und investieren Sie in einen professionellen Lektor oder lassen Sie Ihr Manuskript zumindest gegenlesen. Die Leserinnen und Leser verzeihen keine Fehler. Falls Sie niemanden kennen, der Orthografie und Grammatik drauf hat, wenden Sie sich an Supertext.

Schritt 3: das Buch formatieren

Die Buchgestaltung hängt davon ab, ob Sie ein E-Book oder ein gedrucktes Buch, einen Roman oder ein Sachbuch, herausbringen wollen. Mit Ulysses und vor allem mit Scrivener lässt sich der Text problemlos als fixfertig formatiertes E-Book und druckfähigies PDF exportieren.

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Je nachdem wo und wie Sie Ihr Werk zu veröffentlichen gedenken, eignen sich zudem folgende Tools:

Ich habe es zuerst mit der Export-Funktion von Ulysses versucht (Template nicht gefallen), dann an einem Word-Template von Amazon rumgebastelt (und nach zwei Stunden Copy-and-paste aufgegeben), schliesslich Vellum runtergeladen (toll aber leider nur für E-Books) und bin am Ende mit Pressbooks glücklich geworden. Das Online-Tool basiert auf WordPress. Kannte ich vom Bloggen her. Statt Blog-Posts erfasst man einfach Kapitel. Und statt Blog-Themes wählt man ein Buchdesign. Bin total begeistert. Als Output liefert Pressbooks die Formate EPUB, MOBI und PDF.

Schritt 4: das Buchcover

Noch viel wichtiger als ein schön formatierter Buchtext ist ein gutes Cover. Die Kaufentscheidung hängt wesentlich davon ab. Da spielt der gleiche Mechanismus wie beim Wein. Es lohnt sich nach den vielen Stunden, die man in den Text investiert hat, auch ein paar in das Coverdesign zu investieren. Auf was Sie bei der Gestaltung achten sollten, hat Anthony Puttee, der Gründer von BookCoverCafe.com, unter diesem Posting zusammengefasst: 14 Tips for Good Kindle Cover Design.

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Wer als Grafiker talentfrei ist, kann sich auch ein fertig designtes Cover zu eigen machen. Hier zwei gute Seiten mit professionellen Templates:

Wer etwas Geld aufwerfen und einen Designer anheuern will, kann das einfach und unkompliziert bei 99designs machen.

Ich habe es natürlich selbst versucht und dafür mit der Photoshop-Alternative Pixelmator gearbeitet. Wer ebenfalls in die Tiefen des Buchdesign abtauchen und wissen will, welches Format und Grösse das Cover für welchen Shop haben muss, kann sich hier schlau machen.

Am einfachsten macht es Amazon. Wer direkt via KDP (wir kommen gleich dazu) veröffentlichen will, und das werden die meisten sein, kann auf den kinderleicht bedienbaren Kindle Cover Generator zurückgreifen.

Schritt 5: das Buch veröffentlichen

Wow. Es ist schon fast geschafft. Sie haben den Text und das Cover fertig, jetzt muss das Buch nur noch veröffentlicht werden. Ein Wermutstropfen vorweg: als Self-Publisher wird Ihr Buch nur in den seltensten Fällen im Buchhandel landen. Wenn Sie Ihr gedrucktes Buch in den Buchläden aufliegen sehen wollen, dann führt der Weg über einen Verlag. Wie man einen solchen findet, lesen Sie hier bei literaturcafe.de.

Für die Veröffentlichung Ihres eigenen Buches in den Online-Buchläden gibt es grundsätzlich 3 Wege:

  • über einen Verlag (Sie liefern das Manuskript, der Verlag erledigt den Rest)
  • über einen Distributor (Sie laden Ihr formatiertes oder unformatiertes Manuskript und Cover hoch, der Distributor stellte es bei allen Online-Kanälen ein)
  • alle Shops selbst beliefern (Sie beliefern jeden Online-Shop selber mit Ihrem für jeden Shop anders formatierten Mansukript und Cover)

Mit einem Marktanteil von 70% am Online-Buchmarkt führt kein Weg an Amazon vorbei. Und Amazon macht es den Autoren mit seinem Kindle Direct Publishing wirklich super einfach, ein E-Book innert 24 Stunden verfügbar zu machen. Und mit CreateSpace auch ein Taschenbuch nachzuschieben. Oder umgekehrt.

Sie müssen sich entscheiden ob Sie Ihr Buch in allen Shops (Amazon, iBookstore, Weltbild, Kobo etc.) oder nur bei Amazon listen wollen. Wer sich exklusiv an Amazon bindet, erhält über deren KPD Select Programm zusätzliche Möglichkeiten, sein Buch mit Gratisaktionen zu bewerben. Hier lesen Sie, warum eine exklusive Bindung an Amazon via KDP Select gut für den Autor ist – und warum nicht. Wer sich nicht an Amazon ketten will, studiert am besten die Tabelle mit den wichtigsten Distributoren.

Für mein Buch Papperlapapa habe ich mit Amazon KDP und CreateSpace gearbeitet. Das E-Book war in weniger als 24 Stunden weltweit verfügbar. Beim Taschenbuch vergingen ein paar Tage, bis ich ein Belegexemplar aus Seattle (!) erhielt. Danach konnte ich das Buch freigeben, und dann ging es nochmals knapp 24 Stunden. Die Amazon-Tools sind eigentlich selbsterklärend. Anfänger wie ich finden im Internet trotzdem tonnenweise Anleitungen dazu. Hier zwei, die mir geholfen haben:

Für das E-Book

Für das Taschenbuch

Schritt 6: das Buch vermarkten

Wenn Ihr Buch bei Amazon verfügbar ist, kauft es garantiert noch niemand. Jetzt müssen Sie die Vermarktung starten. Via Twitter. Via Facebook. Via Blog. Und Website. Vielleicht gestalten Sie eine Medienmappe und verschicken Sie an die Fachpresse. Hier finden Sie mein eigenes Beispiel als PDF.

Wer bei Google nach «Book Marketing» sucht, findet schnell ein paar Ideen um sein Buch bekannt zu machen. Zum Beispiel hier: 89+ Book Marketing Ideas That Will Change Your Life.

Damit wäre die Anleitung beim Z angelangt. Wer sich tiefer ins Thema einlesen will, dem empfehle ich die Selfpublisher-Bibel von Matthias Matting und das Buch APE – Author, Publisher, Entrepreneur des ehemaligen Apple-Marketing-Gurus Guy Kawasaki.

So. Das wars. Ein Buch schreiben und veröffentlichen ist ein schönes Stück Arbeit. Macht aber sehr glücklich. Und mit jedem Buch, das Sie jetzt hier kaufen noch ein bisschen glücklicher.



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3 Kommentare zu “Selfpublishing – So schreiben und veröffentlichen Sie Ihr eigenes Buch”



  • Corinne Päper am 15. April 2016 13:04 Uhr

    Vielen Dank für die ausführliche Darstellung, die mir als Laie schon mal sehr geholfen haben. Ganz klar ist für mich aber noch nicht, wie ich das Buch (Text) und das Cover dann zusammenfüge. Haben Sie dazu auch einen Tipp? Eine zweite Frage, die sich mir stellte ist: Ich möchte ein Buch mit vielen Abbildungen veröffentlichen. Inwiefern sind die Tools, die Sie vorgestellt haben, auch dazu geeignet, um Bilder zu importieren und die Seiten grafisch zu gestalten? Sind die vorgestellten Werkzeuge die richtigen Tools dafür oder müsste ich mich doch eher mit Indesign abgeben?


  • Rinaldo Dieziger am 20. April 2016 11:25 Uhr

    Der Text und das Cover werden separat hochgeladen. Bei den meisten Tools können auch Bilder importiert werden. Wie praktisch das ist, weiss ich allerdings nicht. Ich hatte nur Text.


  • Andreas J. Kampe am 7. November 2018 21:06 Uhr

    Sehr gut, besser als ich, Rinaldo. Ich hatte auch eine werblich-textliche Ausbildung für die damaligen Medien, per Akademie in Berlin, und hasste das Zeug dann vom 4 bis zum 7 Semester bis zur Weißglut. Doch der Mut hilft, und das rangehalten werden zum fertigen Text, zum Varianten machen.
    2016 wußte ich noch nicht, dass mein Buch jetzt fertig ist, mit isbn; 2017 fing ich an, ne Kombi aus Word und Scrivener, viele gute Cover-Montagen finden sich übrigens bei pixabay-com. Und für eine örtliche Grafik-Hilfe, um den Titel besser reinzusetzen, muss man schon man 200, dann noch 150 E. in die Hand nehmen, dann noch 30 oder 40, für kleine Verstärkungen davon.
    Ja, bei bod usw. wird das Cover und der Textblock (in pdf verwandelt) getrennt hochgeladen. War mir vorher wie ein unbekanntes Gebirge, das zu packen.
    Gratuliere, zu dem runden Eindruck, den dein Buch macht. Bei mir geht es um eine Entdeckung, die ich nach den verkrachten Semestern machte; ob Gottes- oder Engel- oder Jesus-Durchscheinung, sie ist seit Jahren rund um die Uhr sichtbar, doch eigentlich ist es nur ein stilles Antlitz, das man auch vorführen, prüfen und erforschen, und auch fotografieren kann !!! Die Gotteswelt wirbt für sich, schrieb ich dann auch in dem bod-Buch. Bin kritisch zu den christl. Aspekten, aus der Kirche ausgetreten, dieses stille Antlitz ist dennoch vorhanden;
    ja, ich meine, es ist die neue Jesus Christus Wieder-Erscheinung, na, ja, ich ernte da kaum Interesse, doch es kann beginnen.
    Das Buch ist auch bei Amazon, Titel: Sichtbar Das hindurchscheinende Antlitz aus der Gottesdimension, mehrere Untertitel.
    Deine Arbeit hier, gut, stark lobenswert, anregend. Ich gelangte früher mal auf Ihre Seite, und nun gerade hat mein Bod-Buch seine isbn, und ist auch bei amazon zu finden. Werblich? Ja, für etwas Besonderes, doch nicht, um Sektenketten anzulegen. Und damit Grüße vom Bodensee, Rinaldo Dieziger


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