Äh, Allmende in Berlin?

Das Wort «Allmende» kommt aus dem Althochdeutschen und meint so viel wie: Was allen gemein ist. Was ist hier gemein? Nein nein, nichts ist gemein. Sondern etwas gehört allen Menschen.

«Allmende» ist ein Begriff, der Dinge bezeichnet, die allen gehören. Im Mittelalter bedeutete «Allmende», dass Waldgebiete, auf denen man Holz schlagen oder Flüsse, in denen man nach Fischen angeln konnte, jedem Menschen zur freien Nutzung zur Verfügung standen. Demzufolge gehörten nicht alle Flächen dem König oder dem Fürsten. Das Gebiet der Allmende wurde aber im Laufe der Zeit immer kleiner, weil die Fürsten sich immer mehr nahmen. Sie bestimmten nach und nach über alle Flächen. Der Beginn der kapitalistischen und globalen Wirtschaftsentwicklung.

Und wie sieht es nun im 21. Jahrhundert aus? Was kann man in Berlin als «Allmende» bezeichnen? Gibt es überhaupt noch Flächen, die allen gehören?

Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld

Unmittelbar bei unserem schönen Büro in der Dudenstraße, zirka zehn Minuten entfernt, liegt das Tempelhofer Feld. Jahrelang als Flugplatz genutzt und mit wirkmächtiger Geschichte, wurde es 2008 endgültig stillgelegt. Die BerlinerInnen nahmen sich diese Fläche zurück, und etablierten dort diverse Freizeit-, Sport- und Erholungsmöglichkeiten. Seit 2011 gibt es auch das Allmende-Kontor. Das ist ein Gemeinschaftsgarten mit 250 Hochbeeten, der mittlerweile von 500 MitgärtnerInnen selber organisiert wird. Hier wird «Allmende» etwas neuzeitlicher als «spezifische Formen sozialer Übereinkünfte zur kollektiven, nachhaltigen und fairen Nutzung von Gemeinressourcen, wie Land, Wasser, Luft oder dem Internet» definiert.

Im Allmende-Kontor wird die Landwirtschaft auf kleinem Feld, oft einem Beet, wieder entdeckt. Der Gemeinschaftsgarten versteht sich als Gegenentwurf zur konventionellen Agrarpolitik und strebt aufgrund des Selbstversorgungsprinzips eine Sensibilisierung für die Landwirtschaft und Ernährung an. Noch wichtiger ist die Tatsache, dass an diesem Ort eine Plattform geboten wird, sich über Eigentumsverhältnisse und über die Wiederentdeckung der Allgemeingüter auszutauschen. Darüber hinaus fordert das Kontor neue Räume, um sich den Alternativen zur Konsum-, Wachstums- und Wegwerfgesellschaft bewusst zu werden und diese in neuen urbanen Orten umzusetzen.

Und das gehört auch zu Berlin. Berlin ist nicht nur die hippe Partystadt, die mit Tausenden von Diskotheken und Konzerten von sich reden macht. Wer ein anderes Berlin besuchen will, kann hier etwas für die Nachhaltigkeit und Gesundheit der Erde tun oder einfach die schöne Sonne in dem bunten, summenden Garten geniessen. Solche Arten neuer Natürlichkeit kann man in Berlin vielerorts finden. Weitere Gärten sind unter Stadtacker zu finden. Super Frühlingsspass in SuperBerlin!

Das Titelbild ist von Elsa Monsch und zeigt das Tempelhofer Feld in Berlin.


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