Falsche Freunde, echte Drogen?

Das erste Mal, als ich einen falschen Freund in Deutschland benutzt habe, hat sich der Kellner sicher gedacht, dass ich Drogen nähme. Ich wollte nämlich statt eines Kräutertees eine Infusion bestellen. Doch wie wäre es, wenn unsere falschen Freunde aus Frankreich echte Freunde wären?

Würde das Leben wie ein Film von Michel Gondry aussehen? Ein bisschen verrückter? Ein bisschen stimmungsvoller? Schauen wir uns das Ganze doch einmal etwas genauer an.

Zuerst würde ich meine Übersetzungen mit meinem Klavier (clavier) machen, statt mit meiner Tastatur. Halb Musikinstrument, halb Arbeitsintrument – genau wie das Pianocktail von Boris Vian. Nach der Arbeit würde ich Tennis (jaja, das wäre ein verrücktes Leben!) mit einer Rakete (raquette) spielen. Eine Rakete mit Fernbedienung, die den Ball selber schlägt. So mache ich gerne Sport. Im Schwimmbad würde ich fragen, ob ich Palmen (palmes) mieten kann. Es wäre nicht so praktisch, mit diesem Gewächs an den Füssen zu schwimmen – aber die Franzosen benehmen sich oft etwas auffällig, nicht wahr? Die Puten wären auf dem Trottoir und die Prostituierten im Kühlregal. Die EMEX-Messe wäre ein Treffen, wo sich Pfarrer über die neuesten Hostien und Bibel-Apps austauschen würden. Affären (affaires) wären langweilige Treffen, wo ich mit einem Mann im Anzug über Verträge reden müsste. Und jedes Mal, wenn ich von einem schönen Deutschen ein Baiser verlangen würde, würde ich mit einem gezuckerten Schaumgebäck in der Hand nach Hause gehen. So wäre meine Welt, wenn die Wörter treu wären.



Ähnliche Beiträge


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.