In 5 Schritten zum waschechten East Ender: Cockney-Crashkurs, Teil 2

Die Cockney-Aussprache ist zwar relativ speziell, aber wenn man es wiederholt hört, gewöhnt man sich daran. Aber Cockney ist mehr als nur ein Dialekt – Cockney ist auch eine Geheimsprache.

Vorletzte Woche haben Sie im Teil 1 des Cockney-Crashkurses gelernt, wo, mit wem und wie man diesen Dialekt spricht. Heute kommen wir zur Advanced-Version des Kurses, denn nun kommt eine ganz neue Ebene hinzu: die Jargon-Ebene. Wer jetzt an «Fachjargon» denkt, liegt nicht ganz falsch. Nur, dass es sich beim Cockney-Jargon nicht um die für Normalsterbliche unverständlichen Fremdwörter einer bestimmten Berufsgruppe handelt, sondern um eine Art Code-Sprache, mit der sich die Sprecher gesellschaftlich von anderen Gruppen abgrenzen wollen. Dies tun sie, indem sie einen sogenannten «Rhyming Slang» benutzen. Wie das geht und weshalb Sie das auch mal probieren sollten, lesen Sie unten.

4. Wie – Teil 2: Der Cockney Rhyming Slang.

Cockney Rhyming Slang funktioniert so: Anstelle des Wortes, das man eigentlich sagen möchte, verwendet man einen Ausdruck, der sich auf dieses Wort reimt. Häufig handelt es sich dabei um eine Verbindung von zwei oder drei Wörtern, es können aber auch Ortsbezeichnungen oder die Namen von berühmten Persönlichkeiten benutzt werden. Zu den Klassikern gehören zum Beispiel «apples and pears» für «stairs», «dog and bone» für «phone», «Hampstead Heath» für «teeth» oder «Ruby Murray» für «curry» (Ruby Murray war eine irische Sängerin, die während der 50er-Jahre einige Top-Ten-Hits herausbrachte). In einem Satz tönt das dann so: «I’ll take the apples and pears», «He’s on the dog and bone again», «Have you brushed your Hampstead Heath?» und «Shall we have a Ruby Murray for dinner?»

Alles nicht so schwer, denken Sie? Diesen Code hat man ja schnell geknackt? Freuen Sie sich nicht zu früh: Damit es für Aussenstehende noch schwieriger wird, den Slang zu verstehen, und wahrscheinlich auch, weil es einfach etwas umständlich ist, drei Wörter statt nur einem zu verwenden, lassen Cockney-Sprecher häufig den zweiten Teil des Code-Ausdrucks – also das reimende Wort – weg. «Use your loaf!» beispielsweise ist ein Ausdruck, der sich auch über die Grenzen von London hinaus verbreitet hat und Cockney ist für «Use your head!» – der volle Ausdruck wäre «loaf of bread». Und auch «Hamstead Heath» wird meistens abgekürzt als «Hampsteads» – Sie sehen, als nichteingeweihte Person versteht man schnell mal nur Bahnhof.

5. Warum

Nun fragen Sie sich wahrscheinlich, was das Ganze eigentlich soll. Gerade im digitalen Zeitalter ist es ja schon genug schwer, «face-to-face» miteinander zu kommunizieren, warum also eine Konversation mit Cockney länger, komplizierter und vor allem verwirrlicher gestalten? Es gibt verschiedene Theorien zur Frage, was der Ursprung von Cockney war. Manche spekulieren, es sei als ein Spiel oder durch Zufall entstanden, andere sind überzeugt, dass der Jargon bewusst kreiert wurde – was ich persönlich für plausibler halte. Denn mir scheint es am naheliegendsten, dass Cockney-Sprecher einfach nicht verstanden werden wollten, von den Westlondonern, den Leuten vom Land, oder vielleicht auch von der Polizei – immerhin ist das East End berühmt-berüchtigt für seine kriminelle Vergangenheit, hier hat u. a. Jack the Ripper sein Unwesen getrieben.

Gründe, sich als Nicht-Muttersprachler in Cockney zu versuchen, gibt es genügend: Wenn man ein Fan der TV-Soap EastEnders ist, kann man mit Cockney endlich mal Szenen daraus realitätsgetreu nachstellen. Für alle, die gern rätseln und spielen, kann es einfach ein spassiger Zeitvertreib sein. Und letztendlich ist Cockney richtig angewendet natürlich die perfekte Täuschung, um als «local» durchzugehen – und es will ja nun niemand sofort als Tourist erkannt werden (weitere hilfreiche Tipps dazu, wie z. B. «Tragen Sie Ihren Rucksack nicht auf dem Bauch», gibt’s hier).

Und wer Fremdsprachen nicht so mag, der kann den Rhyming Slang ja auch mal in seiner Muttersprache ausprobieren – schreiben Sie uns Ihre Vorschläge in den Kommentaren!

Titelbild via Flickr: Matt Brown – Apples and Pears (CC BY 2.0)



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