Pokémon Go

Pokémon – Gotta Translate 'Em All

Was heisst Pikachu eigentlich auf Deutsch?

So. Seit drei Wochen sind die Pokémon also wieder los. Oder viel mehr ihre Fänger. Zu Tausenden irren sie auf der Suche nach den japanischen Fabelwesen umher. Und stellen die Welt ganz schön auf den Kopf: Nicht nur, dass sich der Börsenwert von Nintendo in zwei Wochen beinahe verdoppelt hat, nur um kurz darauf wieder zusammenzubrechen. Nein, auch für die restliche Welt bieten sich einmalige Möglichkeiten, sogar Kirchen springen auf den Zug auf. Gleichzeitig mussten die Verantwortlichen der Auschwitz-Gedenkstätte und des Holocaust-Denkmals in Berlin ihre Besucher bereits bitten, das Spielen zu unterlassen. Und Pokémon Go erzielte zeitweise sogar mehr Google-Suchanfragen als der sonstige Allzeitspitzenreiter «Porn». Kurz: Die Welt ist im Pokémon-Fieber.

Pika-was?

Auch in unserem Büro wurden einige erfasst. Und Sie können sich vorstellen, was einen Sprachnerd daran am stärksten interessiert: Woher kommen die Namen von Pikachu und Co. eigentlich? Ist das wirklich alles Japanisch? Und was heisst Pokémon überhaupt? Natürlich haben wir alles genauestens recherchiert.

Was heisst Pokémon?

Pokémon, oder ポケモン, wie es im Original heisst, ist eine Abkürzung von «Poketto Monsutā», was auf Englisch «Pocket Monsters» und zu Deutsch «Taschenmonster» heisst. Weitere mögliche Schreibweisen sind «PoKéMoN» oder «POKéMON».

Werden die Pokémon in jede Sprache übersetzt?

Jein. Es gibt verschiedene Varianten, die Namen der einzelnen Kreaturen zu übersetzen oder – für die Gaming-Industrie passender – lokalisieren. Für manche wird auch durchgehend der Originalname verwendet. Wir konnten drei Kategorien ausfindig machen.

  • Die Unumstösslichen (keine Übersetzung)
    Pikachu, JP: ピカチュウ (Pikachū), FR: Pikachu, EN: Pikachu
    Raichu, JP: ライチュウ (Raichū), FR: Raichu, EN: Raichu
    Mew, JP: ミュウ (Myū), FR: Mew, EN: Mew
    etc.
  • Die Lokalisierten (Übersetzung für jede einzelne Sprache)
    Bisasam, JP: フシギダネ (Fushigidane), FR: Bulbizarre, EN: Bulbasaur
    Glurak, JP: リザードン (Rizādon), FR: Dracaufeu, EN: Charizard
    Schiggy, JP: ゼニガメ (Zenigame), FR: Carapuce, EN: Squirtle
    etc.
  • Die Verwestlichten (einheitliche Übersetzung in westlichen Sprachen)
    Arbok, JP: アーボック (Ābokku), FR: Arbok, EN: Arbok
    Abra, JP: ケーシィ (Kēsyi), FR: Abra, EN: Abra
    Onix, JP: イワーク (Iwāku), FR: Onix, EN: Onix
    etc.

Wie werden Pokémon genau übersetzt?

Eine sinnvolle Übersetzung erfordert ziemlich viel Kreativität. Die japanischen Namen bestehen meist gleich aus mehreren Wortspielen. Diese sollen natürlich wenn immer möglich sinngemäss übernommen werden. Gleichzeitig muss der Name aber auch in der Zielsprache rund klingen und sich klar von den anderen Pokémon abgrenzen. Auch nicht zu vergessen sind die verschiedenen Entwicklungsstufen, die ein Pokémon durchmacht: Aus Glumanda wird Glutexo und schliesslich Glurak. Dieser Prozess soll mit einer sinnvollen Namensgebung unterstützt werden.

Geld, Schildkröten und komische Samen

Klingt nach viel Arbeit? Ist es auch. Julien Bardakoff, der die Wesen auf Französisch übersetzt hat, deckt in diesem Guide den Sinn hinter all seinen Übersetzungen auf. Beispiel: Warum heisst unser Schiggy in Frankreich Carapuce? Nun, im Original heisst die Kreatur ゼニガメ (Zenigame) und die Entwickler wollten gar nicht, dass diese übersetzt wird. Bardakoff fiel aber auf, dass der Originalname phonetisch das Wort «camé» enthält, was auf Französisch «auf Drogen» heisst. Nicht unbedingt passend für ein Kinderspiel, oder?

Schiggy

Also wurde übersetzt. «Zeni» (1-Yen-Stück) und «game» (Schildkröte) stehen für kleine Schildkröte. Auf Französisch wurde dies dann mit Carapuce, einer Kombination aus «Carapace» (Panzerung) und «Puce» (Floh) bewerkstelligt.

Auch auf Deutsch findet sich ein Pokédex, der die einzelnen Namen erklärt. Ein gutes Beispiel hier ist mein persönliches Lieblingspokémon: Bisasam hiess im Original フシギダネ (Fushigidane), was sich aus «Fushigi» (komisch, dubios) und «dane» (Samen) zusammensetzt. Auf Deutsch besteht der Name aus «Bi» (zwei – Bezug auf die Symbiose zwischen Pflanze und Tier), «sa» (kurz für Saurier) und «sam» (für Samen). Man sieht also, dass der deutsche Name gar nicht immer so nahe am Ausgangspunkt liegt. Dafür funktioniert die Abfolge mit den Weiterentwicklungen Bisaknosp (Knospe) und Bisaflor (Blume) wunderbar.

Bisasam

Es geht aber auch einfacher. Arbok, die furchteinflössende Riesenschlange, entstand in allen westlichen Sprachen durch einfaches Umdrehen des Wortes «Kobra».

Come Catch 'Em All

Eine Antwort sind wir Ihnen noch schuldig: Pikachu, das bekannteste aller Pokémon, besteht aus zwei Teilen. «Pika» ist eine Lautmalerei für einen elektrischen Funken und «chu» das Piepsen einer Maus. Frei übersetzt heisst Pikachu also «Elektromaus».

Ganz nebenbei: Wussten Sie, dass sich im Umkreis von 50 Metern um unser Büro im Kreis 5 zwei PokéStops und eine Arena befinden? Es lohnt sich also, wieder mal hierherzukommen. Gerne lassen wir uns auf einen Kampf ein. Oder helfen auch mit nicht Poké-spezifischen Texten.

Titelbild via Flickr: Kentaro IEMOTO – ANA B747-400D (CC BY-SA 2.0)



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Ein Kommentar zu “Pokémon – Gotta Translate 'Em All”



  • Übersetzung am 10. Januar 2019 15:21 Uhr

    Wie interessant, dass so ein Spiel so viele Fragen und Herausforderungen für die Übersetzer darstellen kann :D


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