duden_tuersteher

Was passiert, wenn man Duden im Duden nachschlägt?

Wer reinkommt und wer nicht. Und warum das Ganze wie ein Szenelokal funktioniert.

Superoffice Zürich West. Ich schreibe an einem Blogpost und weiss nicht weiter. Wie dekliniert man das Wort Duden in diesem Satz: «Und ist alles ausserhalb des Dudens automatisch falsch?»

Stimmt das so? Oder sollte es «ausserhalb des Duden» heissen? Ich bin ratlos. Und suche die Antwort – Sie ahnen es – bei Duden itself.

Dudelsackpfeifer – ? – Dudler

Doch dann der Schock. Zwischen Dudelsackpfeifer und Dudler (jemand, der dudelt) steht nichts. Nada. Niente. Verkehrte Welt. Wieso nur schliessen die sich selbst aus?

Zum Glück ist der Duden da transparent. Die Kriterien für eine Aufnahme neuer Wörter sind glasklar. Zusammengefasst:

  • Wird das Wort oft genug verwendet?
  • Findet es sich in verschiedenen Themengebieten? (Ausschluss reiner Fachbegriffe)
  • Wird es in verschiedenen Medien und Textsorten verwendet? (Bsp. Websites und Romane)
  • Bleibt die Verwendung über einen gewissen Zeitraum stabil?

Bis zu zehn Jahre dauert es, bis ein Neologismus die Hürde nimmt. Und der Duden wächst und wächst. Die 26. Auflage aus dem Jahr 2013 enthält 140’000 Stichwörter – das Zehnfache des durchschnittlichen aktiven Wortschatzes. Vier Jahre zuvor waren es noch 135’000. Die Neuaufnahmen sind vor allem ein Spiegel des Zeitgeists:

Antiquierte Begriffe werden dagegen laufend entfernt:

  • beleibzüchtigen (mit einem lebenslangen Unterhalt versehen, bis 1926)
  • Abgängsel (Späne, Schnipsel als Abfälle bei der Bearbeitung von etwas, bis 1961)
  • Selbstwählferndienst (Telefonieren ins Ausland ohne «Fräulein vom Amt», bis 2000)
  • Pomadenhengst (Mann mit stark pomadisierter Frisur, bis 2000)
  • Telekrat (Machthaber, der seinen Einfluss über die neuen Medien stark nutzt, bis 2013)

Im kleinen Lexikon untergegangener Wörter findet man eine ansehnliche Liste dieser verlorenen Perlen.

Du kommst hier ned rein

Es ist also wie bei einem Technoklub: Eine Horde von Türstehern entscheidet, wer reinkommt und wer nicht. Sind Sie in aller Munde, haben Sie gute Chancen. Bei abflachender Coolness wird Ihnen aber schnell wieder die Tür gewiesen.

Ist der Duden selbst also zu wenig angesagt? Sind stattdessen Gummiadler, blümerant und Bratkartoffelverhältnis die neuen Szenehelden? Nein, die Antwort ist ganz einfach. «Duden» ist ein Eigenname, mittlerweile sogar eine Marke. Und bei diesen sind die Sprachhüter ganz besonders vorsichtig: Während von der Weltmarke Apple jede Spur fehlt, sind iPhone und iPad, ja sogar der Big-Apple-Walk zu finden.

Gelistet wird nur, was sich als Gattungsname allgemein durchgesetzt hat. Markennamen also, für die es keine gebräuchliche Alternative gibt. Babyfon wäre ein Beispiel dafür, Bostitch in der Schweiz oder Tesafilm in Deutschland.

Und genau da liegt der springende Punkt. Auch wenn der Duden im Markenregister eingetragen ist, vor Coolness strotzt und oft als Gattungsname verwendet wird – im Grunde ist und bleibt er ein einfaches Wörterbuch. Und muss darum draussen bleiben.

Titelbild via Flickr: ‚U gotta ticket ?‘ – Craig Santer (CC BY-ND 2.0)


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