Wieso wir anderen die Schuld in die Schuhe schieben.

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Und was das mit ehrlichen Socken zu tun haben könnte.

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass Fussbekleidung einen beachtlichen Stellenwert in unserem Leben haben muss? Auch wenn man nicht Antje Riesche heisst? Wohl kaum umsonst sind Schuhe das Motiv so vieler Sprichwörter und Redewendungen:

Ob Sie in den gleichen Schuhen wie jemand anderes stecken oder die Situationen doch eher zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Ob man zu Anerkennung kommt, indem man dem Chef die Stiefel leckt oder sich dazu lieber einfach die Hacken abläuft. Oder wenn Ihnen etwas die Schuhe auszieht und das Gegenüber dann gerne reinblasen darf. Die Treter sind omnipräsent.

Alles eine (Schuh-)Nummer zu gross? Keine Sorge. Wir wissen, wo er drückt. Und erklären die gängigste Redewendung.

Schmuck und Stinkesocken

Jemandem oder etwas die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist heute beliebt wie eh und je. Bei Dopingsündern, die mal eben zu viel Avocado gegessen oder Fruchtsaft geschlürft haben. Oder bei Dieben, die bloss wegen einer Verkettung unglücklicher Umstände am Ort des Verbrechens gelandet sind. Nur, woher kommt der Ausdruck? Wieso sollte man etwas ausgerechnet ins Schuhwerk schieben, statt, sagen wir, in den Keller, was sicher ein besseres Versteck hergäbe?

Wir haben recherchiert. Bis ins Mittelalter zurück. Und herausgefunden, dass Ausweichmanöver beim Diebstahl schon damals Konjunktur hatten. Speziell unter wandernden Gesellen, die oft mit kleinen Budgets zu kämpfen hatten. Auf diesen langen Reisen übernachtete man nicht im Hotel, sondern in einer Herberge, zusammen mit wildfremden Menschen. Und Gelegenheit macht bekanntlich Diebe.

Im Massenschlag konnte man sich nachts ungestört über das Hab und Gut anderer Gäste hermachen und – jetzt kommts – dieses in den Schuhen des Bettnachbars zwischenlagern. So kam man bei einer der häufigen Zimmerdurchsuchungen ungeschoren davon. Zusammen mit der Schuld schob man also Diebesgut von der Taschenuhr bis zum Bargeld in fremde Schuhe. Auch wenn das bei all der Wanderei wohl bedeutete, bald mit einem Haufen ziemlich stinkiger Wertsachen unterwegs zu sein.

Ob die Bezeichnung «ehrliche Socke» auch in diesem Zusammenhang entstanden ist? Wir machen uns auf die Fersen, recherchieren weiter, halten Sie auf dem Laufenden. Und versprechen, die Plattfuss-Wortspiele beim nächsten Post bleiben zu lassen.

Titelbild via Flickr: Rebecca Siegel – RSiegel_Week16 – Scarpas (CC BY 2.0)



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