So verändern Social Media unsere Sprache

Die Sprache lebt und verändert sich – besonders die geschriebene Sprache von uns Jugendlichen. Ich frage mich: Wie viel Einfluss haben die sozialen Netzwerke darauf und was verändern sie genau?

Als ich diesen Sommer als neue Lernende zu der Supertext-Truppe stiess, merkte ich schnell: Sprache mit all ihren Facetten steht hier im Zentrum. Umgeben von ganz vielen Sprachbegeisterten begann ich unweigerlich, mich auch mit meiner eigenen Sprache auseinanderzusetzen – besonders mit meinem Schreibstil. Warum schreiben wir uns unter Freunden «Hey wm?» (ausgeschrieben: was machst du?) und weshalb wirkt es sonderbar, wenn jemand ein Bild mit einem ganzen Satz kommentiert? Sind wir Jugendliche einfallslos und müde geworden, wenn es ums Schreiben geht? Und sind die sozialen Medien an allem schuld? Schauen wir uns zwei Kanäle genauer an.

Snapchat: Unterhaltungen vermeiden durch Fotos

Auf der Bilderplattform wird eine Interaktion mittels versendeter Snaps mit einer oder mehreren bestimmten Personen geführt. Diese Snaps haben meist keinen wichtigen Inhalt, aber man möchte trotzdem auf irgendeine Art und Weise Kontakt haben mit der Person, an die man sie sendet. Snapchat hat unsere Sprache sehr verändert: Die Reaktionen müssen schnell und direkt sein, allein deshalb, weil ein verschickter Snap gerade mal 10 Sekunden eingeblendet bleibt. Das Bild allein spricht oft schon für sich, aber irgendeine Reaktion erwartet man ja trotzdem. Deswegen regieren hier die Abkürzungen: Alle Jugendlichen wissen, was mit den Begriffen «tbh», «btw» oder «lol» gemeint ist.

Eine Abkürzung ist schnell geschickt und wirkt frischer und lockerer als ein ganzer Satz, sie «vibet» mehr. Apropos: Neben englischen Abkürzungen auch ganze englische Begriffe in die deutsche Sprache zu mischen, ist ein weiteres Phänomen. Wenn ich zum Beispiel einen Snap von einer Freundin bekomme, auf dem sie sich gestylt hat, könnte meine Antwort so oder ähnlich ausfallen: «OMG Girl jetzt im Ernst, you look freaking gorgeous». Oder wenn wir uns zum Beispiel über eine neue Bekanntschaft austauschen und schreiben: «I don’t know wieso er so weird ist right now». Und dadurch auch mal kurzerhand einzelne Begriffe wie «Bro» oder «Sis» in unseren allgemeingültigen Wortschatz aufnehmen.

Instagram: eine oberflächliche App?

Instagram ist vom Prinzip her ähnlich wie Snapchat: Das Bild steht im Zentrum – ganz egal mit welchem Motiv. Die Like- und Kommentarfunktion unterhalb der Fotos ist aber genauso wichtig, schliesslich möchte man auch hier eine Reaktion erhalten. Ganze Sätze sind hier aber weit gefehlt, meistens reagieren wir unter Freunden mit kurzen, englischen Ausdrücken oder Emojis. Diese sind besonders beliebt, weil sie das Schreiben meist ganz ersetzen und vielseitige Emotionen transportieren können. Ein bisschen Liebe sendet man mit 🥰 oder ❤️ und wenn einem jemand optisch gefällt, bekommt er ein 😍 oder 🔥.

Klar, das wirkt auf den ersten Blick oberflächlich. Dennoch finde ich, dass diese Art von Reaktionen zu Instagram passen, weil die App sehr mit visuellen Elementen und viel weniger mit Sprache arbeitet. Allerdings mag ich es nicht, wenn eine Person in einer WhatsApp-Unterhaltung nur mit einem Emoji reagiert. Erstens ist das ziemlich langweilig und zweitens werden gewisse Emojis auch unterschiedlich verstanden, was schnell zu Missverständnissen führen kann. Bestes Beispiel: 😏, der von manchen als anzügliches Emoji gedeutet wird, während andere darunter ein breites Lächeln verstehen und wieder andere eine Art zynisches Seufzen. Dadurch kann auch Humor schnell mal untergehen oder missverstanden werden.

 

Was die sozialen Netzwerke also mit unserer Sprache machen? Sie gestalten sie dynamischer, schneller und weniger wortbasiert. Wir sind also keineswegs einfallslos und müde beim Schreiben, sondern kreativ im Umgang mit der Sprache, indem wir sie dem Kanal anpassen. Was mich fasziniert, aber gleichzeitig eine Gefahr birgt: Geschriebene Sprache kann falsch gedeutet werden, weil Betonung und Mimik des Gesprochenen fehlen. Gerade, wenn Abkürzungen, Emoticons und englische Einsprengsel regieren, wäre es teilweise vielleicht hilfreicher, direkt mit einer Person zu sprechen, um sicherzugehen, dass man sie richtig verstanden hat. Abstriche, die man im Alltag aber gerne in Kauf nimmt, wenn man zum Beispiel nach einem langen Tag in die virtuelle Welt eintauchen und mit seinen Freunden schreiben kann, ohne dass man reden muss.

Titelbild via Twenty20



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