Die Schriftart, die (fast) jede Sprache kann

Google hat mit Noto eine Font für alle Sprachen der Welt entwickelt. Wie sie grenzenlose globale Kommunikation ermöglicht und was Tofu und IKEA damit zu tun haben.

Was passiert, wenn eine Schriftart am Computer ein Schriftzeichen nicht darstellen kann? Sie spielt diesen Platzhalter aus: . In englischen Entwicklerkreisen auch liebevoll «tofu» genannt. Google wollte diesem ärgerlichen Zeichen ein Ende setzen und entwarf die Schriftart «Noto». Zusammengesetzt aus «no more tofu».

Von Kyrillisch bis Cherokee

Fünf Jahre Arbeit haben Google, der Techanbieter Monotype, Linguisten und Kulturforscher in die Entwicklung gesteckt. Jedes Zeichen der hauseigenen Schrift wurde neu entworfen. Um zwischen allen Sprachen der Welt und deren Schriftsystemen eine harmonische Schriftgestalt zu erreichen. Im Oktober 2016 stellten sie Noto erstmals der Öffentlichkeit vor.

Was die Open-Source-Schrift kann? 110’000 Zeichen aus über 800 lebenden und historischen Sprachen sowie 100 verschiedenen Schriftsystemen darstellen – aktuell alle bis zu Unicode-Standard 6.0. Und damit nicht nur afrikanische Sprachen, sondern auch chinesische, japanische und koreanische Schriftzeichen und sogar indigene und Minderheitensprachen digital abbilden. Ebenso hat sie mittlerweile zahlreiche Skripte späterer Versionen integriert – z. B. Emojis. In der nächsten Designphase sind die Zeichensätze bis und mit Unicode 9.0 geplant.

IKEA schreibt seit 2020 mit Noto

Es gibt Noto als Serifen- und serifenlose Schrift. Letztere begeisterte vergangenen Sommer auch den schwedischen Möbelriesen. Der darum kurzerhand sein Corporate Design wechselte und Noto zur IKEA-Font machte – erstmalig zu sehen im Produktkatalog 2020. IKEA geht damit einen weiteren Schritt in Richtung Inklusion der globalen Märkte. Wie die mittlerweile 4.2 Millionen Websites weltweit, die auf Noto setzen.

Ikea.com, Screenshot via Supertext

 

Auch keine Lust mehr auf Tofu? Hier können Sie Noto kostenlos herunterladen.

Titelbild via Tenor



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