Weihnachten lokalisieren: So feiert man rund um die Welt

In 160 Ländern der Welt wird Weihnachten gefeiert – je nach Kultur vollkommen unterschiedlich. Wie das genau aussieht und warum sogar da Feierlaune aufkommt, wo das Christfest eigentlich keine Rolle spielt.

Andere Länder, andere Traditionen. Das gilt auch für den bärtigen Mann im roten Gewand, der einmal jährlich die Geschenke bringt. Plötzlich steht er ohne Bart oder in Shorts da. Andere Geschenkebringer, andere Bäume und andere Bräuche machen es unmöglich, an Weihnachten universell zu kommunizieren.

Wer die Unterschiede kennt, kann spätestens nächstes Weihnachten auch über die Landesgrenzen hinaus punkten. Ein paar Beispiele von bezaubernden Weihnachtsbräuchen rund um den Globus.

Rote Bermudas und Wasserski

In Australien fällt Weihnachten auf den Hochsommer. Weshalb die Feierlichkeiten eher am Strand und mit Barbecue statt in der warmen Stube mit Viergänger stattfinden. Auch Santa Claus passt sich der Klimazone an und macht sich auf Wasserski und in roten Badehosen auf den Weg zur Geschenkeübergabe. Ähnlich sieht es in Neuseeland aus, wo sich die Familie ausserdem um den Pohutukawa, den neuseeländischen Weihnachtsbaum, versammelt. Dieser wächst praktischerweise in Strandnähe und schmückt sich aufs Fest hin gleich selbst – mit kräftig roten Pinselblüten.

Saunieren mit Geistern

In Finnland werden die Kinder von Joulupukki – dem Weihnachtsbock – beschenkt. Aus dem Ziegenbock aus vorchristlicher Zeit wurde inzwischen ein Mensch, dennoch hängt man in weiten Teilen Skandinaviens heute noch Glücksbringer in Form einer Ziege an den Baum. Etwas einschüchternd ist eine finnische Familientradition an Heiligabend: Man sauniert gemeinsam und wälzt sich anschliessend im Schnee – allerdings unbedingt vor Sonnenuntergang. Ausser man möchte sich den Schwitzkasten mit den Seelen der Verstorbenen teilen, die nach Volksglauben bei Einbruch der Dunkelheit derselben Tradition folgen.

Auch Kläuse können frösteln

Der niederländische Sinterklaas mag keine kalten Temperaturen – zumindest nicht ganzjährig. Darum hält er sich der Sage nach das Jahr über in Spanien auf und lässt sich dort die Sonne auf den Bauch scheinen. Steht Weihnachten vor der Tür, kommt er rechtzeitig ins Land – allerdings nicht auf dem Schlitten, sondern per Dampfschiff über den Ärmelkanal.

Kentucky-Weihnachten zum Mitnehmen, bitte

Wie bewirbt man Weihnachten in einem Land, wo das Fest eigentlich gar nicht gefeiert wird? Fragt man die japanische Bevölkerung, besteht Heiligabend vor allem aus drei Buchstaben: KFC. Die Fastfood-Kette schuf 1974 mit ihrer Marketingaktion eine nationale Tradition: Alljährlich stellen sich Leute in meterlange Schlangen vor ihre Filialen, um das Truthahnmenü Kurisumasu ni wa kentakkii! (Deutsch: «Kentucky zu Weihnachten!») zu bestellen. Warum? Für das westliche Gefühl – denn Truthähne sucht man in Japan vergebens. Seit den 70er-Jahren spielt Kentucky Fried Chicken an dem Tag den grössten Umsatz des Jahrs ein.

Kostprobe gefällig?

Der alte Weihnachtsmann und die U30

In China leben gemäss Statistik nur etwa 2 % Christen. Dennoch haben damit rund 30 Millionen einen eigenen Geschenkebringer, der auf den Namen Dun Che Lao Ren («alter Weihnachtsmann») hört. An Heiligabend verschenkt man Äpfel als Zeichen des Friedens – der Grund dafür ist, dass die beiden Wörter in Mandarin ähnlich klingen: Pinganye (平安夜), der Heiligabend oder Friedensabend, erinnert an pingguo (苹果), den Apfel, sodass man diesen kurzerhand zur Friedensfrucht erkor. Geschenke werden traditionell erst am chinesischen Neujahr im Februar verteilt. Aber auch bei den Nicht-Christen ist die westliche Tradition angekommen – besonders bei den unter 30-Jährigen: Sie nutzen die Tage vor allem fürs Shopping, weil Anbieter zur Weihnachtszeit die grosse Aktionskeule schwingen. Auch Restauranttische und Hotelzimmer für Heiligabend bucht man darum am besten schon im Sommer.

Besonders alt: der chinesische Weihnachtsmann Dun Che Lao Ren. (Bild: Pinterest)

Die längste Weihnachtsfeier der Welt

Filipinos nehmen das Feiern richtig ernst: Auf den katholischen Inseln dauern die Festlichkeiten geschlagene vier Monate. Trotz grösster Hitze schallen schon im September die ersten Weihnachtslieder aus den Boxen. Und damit ist erst Ende Januar Schluss. Weil auf den Philippinen höchstens die Strände schneeweiss sind, werden dazu auch extra Vergnügungsparks mit künstlichen Schneewelten erschaffen. Eine Nation, die einen Drittel des Jahres mit Feiern von Liebe und Familie verbringt, gilt es ganz besonders abzuholen. Der Jeansbrand Levi’s macht vor, wie das geht: Sein extra für die Philippinen konzipierter emotionaler Werbespot erreichte 2018 in einem Monat 2,8 Millionen Views und über 145’000 Engagements auf Facebook.

Der Winter kommt persönlich

In Russland zeigt sich der Weihnachtsmann, genannt Väterchen Frost bzw. Djed Moros, zur Neujahrsnacht und friert gemäss slawischer Mythologie mit seinem Zauberstab das ganze Land ein. Ab dann wartet man ungeduldig auf den ersten Stern am Himmel: Er eröffnet das Weihnachtsfest, das nach orthodoxer Tradition am 7. Januar stattfindet. Der Brauch ist auch in anderen osteuropäischen Ländern wie Lettland oder Litauen verbreitet.

Feiern mit dem kackenden Onkel

In Katalonien ist die grüne Tanne kein Thema: Hier versammelt sich die Familie um einen mit Gesicht bemalten Holzblock – genannt Tió de Nadal. Zunächst wird er mit nächtlichen Essensgaben und einer warmen Decke gehegt und gepflegt. Um an Heiligabend wortwörtlich verdroschen zu werden: Die Kinder hauen solange mit Stöcken auf ihn ein, bis er die Geschenke hergibt. Oder eben «kackt», weshalb er auch den Spitznamen Caga Tió trägt. Die Übersetzung haben Sie bereits im Titel gelesen.

Hier wird der «kackende Onkel» noch verhätschelt. (Bild: Wikimedia Commons)

Hexe oder Christkind?

Die Italiener sind unschlüssig: Bringt nun das Christkind (Gesù Bambino) oder der Weihnachtsmann, also Babbo Natale, die Geschenke? Oder ist es doch die traditionelle Befana – eine wenig attraktive Hexe –, die erst am 6. Januar vorbeischaut und die Kinder belohnt oder bestraft? Die Wahl fällt je nach Region anders aus und verlangt den Kleinen mehr oder weniger Geduld ab.

Schaurig böse Weihnachtsmonster

Wer denkt, Schmutzli sei böswillig, kennt Krampus noch nicht: Nikolaus’ Weggefährte in Österreich, Ungarn, Slowenien oder Tschechien ist eine echte Schreckgestalt. Er treibt sein Unwesen am Vorabend des Nikolaustags und bestraft die unartigen Kinder. Noch fieser geht es nur in Island zu und her: Hier frisst die Jólakötturinn (die überdimensionale Weihnachtskatze) faule Menschen am Weihnachtstag gleich mit Haut und Haaren – und das sind alle, die am Fest keine neuen Kleider tragen. Denn sie waren der Legende nach zu faul, um rechtzeitig die Schafe zu scheren und daraus Kleidung zu fertigen.

Jagt (nicht nur) Kindern Angst ein: Krampus. (Bild: Wikimedia Commons)

Schenken und mit Karten prahlen

In Grossbritannien ist es üblich, am Tag nach Weihnachten – dem Boxing Day – Briefträgern oder Paketboten ein Trinkgeld zu schenken. Die Tradition stammt vermutlich aus dem Mittelalter, als wohlhabende Gutsbesitzer ihren Bediensteten als Gegenleistung für die erlebten Festlichkeiten den 26. Dezember frei gaben, damit sie mit ihren Familien nachfeiern konnten. Dazu bekamen sie kleine Pakete mit Geschenken und Überresten vom Weihnachtsdinner. Eine grosse Bedeutung hat bei den Briten auch die Weihnachtspost: Wer in der ersten Dezemberwoche nicht bereits alle seine Karten an Bekannte verschickt hat, gerät zunehmend unter Druck. Dasselbe gilt für alle mit einer leeren Schnur im Wohnzimmer – an dieser werden die Karten, die man selbst bekommt, wie Trophäen aufgehängt.

Titelbild via Pixabay



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