Sprachdienstleister Teamwork Supertext

Wie finde ich 2021 das passende Übersetzungsbüro? 6 Faktoren, die bei der Wahl helfen.

Bei wem kaufe ich meine Übersetzungen am besten ein und warum? Und welche Kriterien bestimmen darüber, ob ein Anbieter zu mir passt? Hier kommt Ihre Entscheidungshilfe.

Bei Übersetzungsbüros ist es ein bisschen wie in der Liebe. Zum einen wimmelt es von potenziellen Partner*innen: Über 18’000 Sprach- und Technologieanbieter gibt es laut CSA Research weltweit – von kleinen Agenturen bis hin zu global tätigen Content-Häusern. Zum anderen erwartet man von seinem Wunsch-Sprachdienstleister Eigenschaften wie Verlässlichkeit, Beständigkeit und Vertrauen. Wie finden Sie nun also den richtigen?

Die Devise lautet: Kennen Sie Ihre eigenen Ansprüche. Sie suchen nicht bloss einen Wort-Lieferanten. Ihr Unternehmen hat sich konkrete Ziele gesteckt – zum Beispiel einen neuen Markt zu erobern oder die grosse internationale Bühne zu betreten. Und Sie brauchen einen Kompetenzpartner, der Sie auf Ihrem Weg begleitet. Am besten langfristig. Die folgenden Faktoren können dabei helfen, ihn zu erkennen.

1. Qualitätsstandards

Wie garantiert ein Anbieter hochwertige Übersetzungen?

Die Frage nach der besten Qualität ist vielschichtig und lässt sich nicht pauschal beantworten. Einige klare Kriterien bzw. Mindeststandards gibt es aber:

  • Zertifizierungen: Die Normen ISO 17100 für Übersetzungsqualität, ISO 18587 für das Post-Editing maschineller Übersetzungen und ISO 9001 für ein geprüftes Qualitätsmanagementsystem zeigen, dass ein Anbieter mit etablierten Prozessen und Qualitätssicherung arbeitet.
  • Muttersprachler*innen: Die Qualität der Übersetzung bestimmen die Menschen, die sie erstellen. Professionelle Unternehmen setzen darum ausschliesslich auf muttersprachliche Expert*innen.
  • Revision und Korrekturlesen: Doppelt hält besser. Die Überprüfung durch einen zweiten Sprachprofi (4-Augen-Prinzip) sollte stets Teil einer gebuchten Übersetzung sein.
  • Beratung und Betreuung: Besonders wenn Übersetzungen Neuland für Sie sind, ist eine umfassende Beratung zentral. Beleuchtet der Anbieter verschiedene technische und prozessuale Lösungen? Helfen bei Bedarf spezifische Ansprechpartner*innen oder eine unpersönliche Hotline? Und hat der Dienstleister neben Projektleiter*innen auch interne Sprachexpert*innen, auf deren Know-how Sie in kulturellen Fragen vertrauen können?

2. Schwerpunkte und Erfahrungen

Auf welche Fachgebiete und Content-Arten ist der Sprachdienstleister spezialisiert?

Je nach Branche, in der Sie tätig sind, sind andere Fachkenntnisse gefragt – auch von den Übersetzer*innen. Was heisst das für Sie? Wenn Sie vermehrt Bedarf an Übersetzungen fürs Marketing haben, sind Sie bei einem Spezialisten für Transkreation an der richtigen Adresse. Müssen Sie vor allem rechtliche Texte übersetzen, ist ein Anbieter mit Fokus auf Fachübersetzung die beste Wahl. Und wenn Sie die volle Content-Palette bedienen möchten, setzen Sie wiederum auf einen Allrounder. Mehr zur Unterscheidung der Anbieter unter 4.

Holen Sie unbedingt Referenzen aus Ihrem Gebiet und den gewünschten Sprachkombinationen ein. Kund*innen, die bereits mit dem Sprachdienstleister zusammenarbeiten, können direkte Erfahrungswerte liefern. Möchten Sie sich also nicht nur auf den Anbieter selbst verlassen, fragen Sie direkt bei diesen nach.

3. Preis

Wie berechnen sich Kosten für Sprachdienstleistungen? Und ist günstig gleich schlecht?

Eigentlich wäre es einfach. Wortpreise sind das dominierende Modell und legen den Preis glasklar vor. Der Teufel steckt aber im Detail. Beziehungsweise in diesen sieben Faktoren, die laut dem Marktforschungsunternehmen Slator die effektiven Übersetzungskosten bestimmen:

1. Sprachkombinationen (Wortpreise variieren je nach Ausgangs- und Zielsprache massiv)

2. Rabatte durch Übersetzungsspeicher (Translation Memory)

3. Serviceinhalt (mit oder ohne Proofreading; Humanübersetzung oder maschinell)

4. Minimalzuschläge

5. Premiumzuschläge, z. B. Express oder Wochenende, spezialisierte Inhalte, Sicherheitschecks

6. Inklusive Leistungen wie Projektmanagement, Formatieren oder Konvertieren von Dateien, DTP-Service

7. Volumenrabatte

An die genauen Preise gelangt deshalb nur, wer Kostenvoranschläge einholt. Die meisten Sprachdienstleister verfügen dazu zum Beispiel über einen Crawler, der den Umfang von Websites auf Knopfdruck errechnet.

Selbst wenn das Budget sehr knapp ist, sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie auf den Anbieter mit dem niedrigsten Preis setzen. Es könnte sein, dass an den falschen Stellen gespart wird. Das Motto «Sie bekommen, was Sie bezahlen» trifft meist auch bei Sprachdienstleistungen zu. Lieber Pauschalpreise aushandeln oder als loyaler Kunde längerfristig profitieren.

4. Grösse und Ausrichtung

Passt ein grosser Language Service Provider (LSP) oder eine kleine Agentur besser zu mir?

Schauen wir uns zunächst das Spektrum genauer an. Traditionell dominieren kleine Agenturen und Freischaffende den Übersetzungsmarkt. In den letzten Jahrzehnten fand jedoch eine starke Konzentrierung statt, aus der zahlreiche Full-Service-Anbieter mit ein paar wenigen Super Agencies entstanden sind – und ein grosses Feld dazwischen. Slator unterscheidet heute im Language Service Provider Index fünf Kategorien von Anbietern:

Super Agencies: global aufgestellte Konzerne, die sämtliche Sprachen, Content-Arten und Fachgebiete abdecken.

Leaders – die regionalen Platzhirsche: dominieren meist eine bestimmte Sprachregion, bieten darin aber ähnlich breit gefächerte Services an wie die Super Agencies.

Challengers und Boutiques – die Spezialisten: haben sich oft auf ein Fachgebiet (z. B. Finance und Legal) oder einzelne Services wie Marketing oder Kreativ-Übersetzungen spezialisiert. Auch wir von Supertext dürfen uns dazu zählen.

Long Tail – die kleinen Fische: Kleinstagenturen mit wenigen Mitarbeiter*innen sowie unabhängige Freelancer.

Language Service Providers

Wo im Spektrum Sie Ihre(n) Partner suchen sollten, hängt vom Projekt und Ihrer eigenen Grösse ab. Im Grundsatz gilt:

Je grösser, desto schlagkräftiger – eine Super Agency liefert 365 Tage im Jahr in allen Sprachen. Und das schnell, auch bei grossem Volumen. Sie sind zuverlässige Generalisten. Dafür fehlt oft die persönliche Note bei Beratung und Projektleitung und die Spezialisierung auf Ihren Case.

Je kleiner, desto persönlicher und spezialisierter – bei Challengers, Boutiquen und einzelnen Freelancern sind Sie als Kunde keine Nummer, sondern König. Und können auch schon bei kleinerem Volumen massgeschneiderte Prozesse und Services aushandeln.

5. Technik und Prozesse

Welche Technologien sorgen für bestmögliche Automatisierung? Und brauche ich ein Translation-Management-System (TMS)?

Ein reibungsloser Übersetzungsprozess ist vor allem eine Frage der Technik. Je automatisierter, desto grösser die Einsparungen. Es zählt also, ob der Sprachdienstleister in Sachen Technologie vorne dabei ist – von CAT-Tools wie Übersetzungsspeichern (Translation Memorys), Terminologiedatenbanken (Termbases) und Glossaren bis hin zu moderner Technik in maschineller Übersetzung.

Je grösser Ihr Projekt, umso wichtiger werden ausserdem Translation-Management-Systeme (TMS) und Integrationen. Spätestens bei mehreren Sprachen ist das manuelle Versenden von Dateien und Sprachversionen kein nachhaltiger Ansatz. Auf den Plattformen lassen sich Dokumente direkt teilen, Übersetzungen per Mausklick bestellen und mit Statustracking zentral verwalten. Viele davon liefern mit einem visuellen Editor im Layout den nötigen Kontext für alle Projektbeteiligten obendrauf.

Ihr zukünftiger LSP soll sich flexibel in bestehende Systeme und Workflows integrieren. Testen Sie Ihren Favoriten darum bei einer Demo auf Herz und Nieren – von der Auftragsauslösung bis zur Abrechnung.

6. Standort

Wo kaufe ich welche Sprache ein?

Als Kunde haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder Sie bestellen jede Sprache in der jeweiligen Zielregion oder Sie setzen auf einen Anbieter in Ihrer Nähe, der alle Zielsprachen abdecken kann. Welche Lösung die bessere ist, hängt wiederum von Ihren eigenen Strukturen ab.

Sind Sie als Unternehmen breit aufgestellt, zum Beispiel mit internem Lokalisierungsteam, ist eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Übersetzungspartnern vor Ort denkbar. Sie haben selbst genügend Ressourcen, um die Projekte zu koordinieren, und womöglich eigene lokale Teams für die Endkontrolle.

Ist Lokalisierung nicht Ihr Steckenpferd, empfiehlt sich eher ein Anbieter im Heimatland. So verwalten Sie Ihre Aufträge zentral und profitieren davon, dass der Sprachpartner Ihr Unternehmen bereits kennt und für das lokale Review kein erneutes Briefing anfällt.


Diese Liste ist keineswegs abschliessend, sondern ein Anfang. Wer sich nicht für einen Sprachdienstleister entscheiden will, kann auch eine Multi-Vendor-Strategie mit mehreren spezialisierten Anbietern fahren. Und so quasi von jedem das Beste kriegen. Damit vergrössert sich aber auch der Koordinationsaufwand. Evaluieren Sie darum am besten vorab, ob Sie diesen bewältigen können.

Wichtig: Am Ende zählt auch Ihr Bauchgefühl. Die Chemie muss stimmen, damit Sie Ihrem Sprachpartner vertrauen – eine wichtige Voraussetzung für eine dauerhafte Beziehung. Wie in der Liebe eben.

Titelbild via iStock



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