Wann soll die Übersetzung starten? Stufenweise vs. agil vs. kontinuierlich

Wann planen Sie eine Übersetzung am besten ein? Welche Möglichkeiten im Projektmanagement gibt es? Und was spricht dafür, noch während der Entwicklung von Website, App & Co. mit dem Übersetzen zu beginnen?

Lange Zeit packte man Übersetzungsprojekte gleich an: Sobald der Text fertig ist, startet die Übersetzung. Bei in sich geschlossenen Projekten wie Dokumenten oder Büchern ein solides Vorgehen. Dann kamen neue Technologien wie Apps, Software und Websites auf den Markt – mit einem kleinen Unterschied zu klassischen Textprojekten: Sie sind nie wirklich abgeschlossen. Neue Funktionen, Inhalte oder Geschäftsfelder sorgen dafür, dass immer wieder Updates anstehen.

Mit der technologischen Revolution wurden auch die Übersetzungsprozesse revolutioniert. Wie kommt man also heute zum übersetzten Text? Man unterscheidet drei Vorgehensweisen.

Stufenweise lokalisieren – Waterfall Localization

Die Übersetzung startet nach der Entwicklung der App, Software oder Website. Heisst im Detail: Das Designteam erstellt das Interface, das Projektmanagement koordiniert die Inhalte (intern oder extern), die Entwicklungsabteilung programmiert und testet die Features. Ist das Produkt erfolgreich gelauncht, werden alle Bestandteile gesammelt in die Übersetzung geschickt. Nach einer Revision kommen die Texte zurück zu den Entwicklern. Vor dem Livegang der neuen Sprachversion erfolgt eine erneute Testrunde.

Ähnlich einem Wasserfall fliesst das Projekt so Stufe um Stufe dahin. Folgt nach Abschluss eine neue Sprache oder ein Update, beginnt das Ganze von vorne. Die Nachteile: viel manuelle Arbeit und terminliche Abhängigkeiten – verspätete Schritte oder Korrekturrunden am Ende verzögern den ganzen Release.

Waterfall Localization

Agil vorgehen – Agile Localization

Das Projekt startet klein und beweglich mit dem Ziel, das Produkt konstant zu verbessern. Die Lokalisierung der Inhalte geschieht in kleinen Paketen und nicht am Ende, sondern mit den Sprints der Entwickler. So gewinnt man Zeit und kann Probleme schneller beheben. Das resultiert jedoch in häufigerem Datei-Austausch und benötigt deshalb zwingend ein Translation-Management-System (TMS) für den Überblick. Damit verwalten Sie alle Übersetzungsprojekte auf einer Plattform und schicken sie direkt zum Sprachdienstleister. Ein häufiges Problem ist zudem der fehlende Kontext der kleinen Content-Mengen.

Agile Localization

Kontinuierlich veröffentlichen – Continuous Localization

Der dritte Ansatz ergibt sich aus der agilen Lokalisierung und bedeutet, dass die Übersetzung automatisch, nahtlos und synchron mit der Entwicklung passiert. Was heisst das genau? Die Inhalte fliessen in einem kontinuierlichen Prozess hin und zurück, werden fortlaufend übersetzt und anschliessend über das TMS in den Code zurückgespielt. Lokalisierte Inhalte können so jederzeit live gehen – unabhängig von den Sprints der Entwickler.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Die einzelnen Teams sind nicht voneinander abhängig und die Turnaround-Zeiten verkürzen sich. Auch mehrere Sprachen lassen sich problemlos gleichzeitig bewältigen. Bedingung sind eine solide Technik – bestenfalls ein TMS, das sich an die Designsoftware (z. B. Figma oder Sketch) koppelt – und klar definierte Rollen im Workflow.

Continuous Localization

Das grosse Plus beim Übersetzen in Designtools: Der Übersetzer sieht die Textteile im Kontext und kann fortlaufend Rückmeldungen an die Designer geben, wodurch die App kollaborativ und in Echtzeit übersetzt wird. Hier finden Sie alle Details.

Und welches Vorgehen ist nun das richtige für Sie?

Überlegen Sie sich, was Ihre Ziele sind. Mehrere Sprachen auf einmal? Ein längerfristiges Wachstum? Ressourcenverteilung und Zeitersparnis? Beantworten Sie eine oder mehrere der Fragen mit «Ja», ist Continuous Localization der nachhaltigste Weg. Er ist besonders bei Apps, Websites oder Software sinnvoll, weil durch Updates und Verbesserungen regelmässig neuer Content folgt.

Dann stellt sich die Frage der Teamzusammenstellung – für einen kontinuierlichen Workflow brauchen Sie definierte Rollen im Entwicklerteam und bei grösseren Projekten einen Lokalisierungsmanager, der das Ganze überwacht. Je breiter Sie aufgestellt sind, desto eher profitieren Sie von den Vorteilen.

Kurz gesagt: Früher oder später kommen Sie über alle drei Wege zum Ziel. Es ist vor allem eine Frage des «Wann».

Titelbild via iStock



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