Tattoo Translation

33 Übersetzungen, die unter die Haut gehen

Fremdsprachige Tattoos sind ein riskantes Unterfangen, das beweisen zahlreiche Chinese Tattoo Fails im Netz. Jannik Rosenberger wollte nichts bereuen. Und bot darum für seine Hautmalerei in 33 Sprachen Supertext auf. Ein Gespräch.

Auch nach über 300’000 Aufträgen, die wir seit der Supertext-Gründung 2005 annehmen durften, passiert immer mal wieder etwas noch nie Dagewesenes. Jannik Rosenbergers Anfrage war einer dieser Momente:

Für eine Tätowierung seines rechten Beins wollte er die beiden Wörter «manchmal unbekümmert» in 33 Sprachen übersetzt haben. Weshalb er sich über die menschliche Qualität gleichzeitig gefreut und geärgert hat, erklärt uns der 37-Jährige im Interview.

Ganze 33 Sprachen prangen seit ein paar Wochen auf deinem Bein. Wie kam es dazu?

Es war ein relativ spontaner Einfall, muss ich sagen. Ich wollte mein Lebensmotto auf einer Papyrus-Rolle etwas grösser in Szene setzen. Zuerst waren die Sprachen aller Länder angedacht, die ich schon bereist habe. Bei den ersten Entwürfen wurde aber schnell klar, dass das für die angepeilte Tattoo-Grösse nie ausreichen würde. Und dass ich ja nach jedem weiteren Trip einen neuen Teil hinzufügen müsste. Also haben wir umgesattelt – auf alle Sprachräume, die ich schon besucht habe, oder bald noch sehen möchte.

«Manchmal unbekümmert» – was hat es damit auf sich?

Die beiden Wörter bringen meine Lebenseinstellung auf den Punkt. Man kann hart arbeiten, sich Ziele setzen und mit einer gewissen Vorsicht durch die Welt gehen. Und doch hat man nie alles in der Hand. Manchmal passieren Dinge, die man so nicht wollte. Genau in diesen Momenten ist es besonders wichtig, locker zu bleiben.

Ganz so unbekümmert bist du die Übersetzung aber nicht angegangen. Hätte sich das nicht auch mit Google Translate lösen lassen?

Darum ja das «manchmal» (lacht). Klar, die Versuchung, einfach einen Online-Übersetzer anzuwerfen und zwei Stunden später die Nadel zu senken, war schon da. Wenn dann aber irgendwann rauskommt, dass ich mir «Hühnersuppe» auf Arabisch tätowiert habe, wäre es mit der Unbekümmertheit vorbei. Ausserdem waren auch einige Sprachen darunter, für die es gar keine Machine Translation Engines gibt.

Mit der professionellen Variante via Supertext habe ich getan, was ich konnte. Und falls sich doch noch ein Fehler eingeschlichen hätte, bleib ich unbekümmert, da ich ja die Bedeutung der Übersetzung kenne.

Was hat dich bei dem Übersetzungsprojekt am meisten überrascht?

Wie vielschichtig zwei so kleine, vermeintlich einfache Wörter sein können. Für einige Versionen war den Muttersprachlern sofort klar, wie die Übersetzung lauten musste. In anderen Sprachen, meist aus ferneren Ländern, war mehr Kontext nötig und ich musste eine Umschreibung mitgeben, wie die beiden Wörter in Beispiele eingebettet zu verstehen sind. Das hat auch wieder mal gezeigt, wie eng verzahnt Sprache und Kultur sind.

Und hast du danach auch geprüft, in wie vielen Fällen sich die Übersetzung mit Google Translate gedeckt hat?

Natürlich. Man will ja wissen, was man für sein Geld bekommt. Es kam schon ein paarmal vor – und hat mich jedes Mal etwas gewurmt. Beim absoluten Grossteil der Sprachen waren die Resultate aber nicht identisch. Und oft auch erstaunlich weit auseinander.


Beispiel Japanisch | Ausgangstext «Manchmal unbekümmert»

 

Supertext

Google Translate

DeepL

時々気楽
Tokidoki kiraku

時には屈託のない
Tokiniha kuttakunonai

時には無頓着に
Tokiniha mutonjaku ni

Die Übersetzung setzt auf das verbreitete japanische Sprachphänomen Yoijiukugo, das Redewendungen mit vier Zeichen beschreibt.

Der Tonfall ist leichtfüssig und angenehm unkonventionell.

Unvollständiger, sinnfreier Satz

Beinahe korrekte Übersetzung, wobei 無頓着 näher am negativ konnotierten «leichtsinnig» als am positiveren «unbekümmert» liegt


Hand aufs Herz: Welche Sprache hat beim Stechen am meisten geschmerzt?

(Lacht) Da gab es keine Unterschiede. Aber das Projekt war als Ganzes relativ speziell. Die Papyrus-Rolle sollte ja etwas alt und abgewetzt aussehen, Tätowierer*innen sind aber auf Präzision getrimmt. Wir haben das dann so gelöst, dass ich bei der Pflege danach auf offizielle Verordnung hin etwas nachlässig sein durfte.

Und war das jetzt vorerst dein letztes Tattoo?

Sieht ganz so aus. Das Ganze ist Teil eines grösseren Projekts, das ich mit ungefähr 18 Jahren gestartet habe. Mein Ziel war es, die ganze rechte Körperseite bemalt zu haben. Jetzt ist das geschafft.


Das Resultat:

Supertext tattoo translation

Titelbild via twenty20



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