Mit Französisch sicher ans Ziel

Parlez-vous français? Non? Vom 18. bis ins 20. Jahrhundert hinein hätten Ihnen Ihre fehlenden Französischkenntnisse eine Karriere als Diplomat deutlich erschwert. Und bis heute ist Französisch die einzige Sprache, die wirklich sicherstellt, dass Ihre Briefe zuverlässig von A nach B gelangen. Wir erklären, warum Französisch zwar nicht offizielle Diplomaten-, aber Postsprache ist.

Englisch hat Französisch mittlerweile als Verkehrssprache abgelöst. Es ist zwar nicht die meistgesprochene Sprache der Welt (das ist Mandarin-Chinesisch), aber durch die fortschreitende Industrialisierung und Globalisierung im 19. Jahrhundert wurde Englisch als Verhandlungssprache immer bedeutsamer. Und dennoch: Französisch ist neben Englisch eine der Amts- und Arbeitssprachen bei den Vereinten Nationen (das UN-Hauptquartier in New York ist übrigens zweisprachig ausgeschildert – in Englisch und Französisch) und Arbeitssprache bei zahlreichen internationalen Organisationen, etwa bei Interpol, dem Internationalen Olympischen Komitee, der FIFA, der UEFA, der Weltgesundheitsorganisation oder dem Internationalen Währungsfonds. Woher kommt diese Bedeutung des Französischen?

Noblesse oblige – Adel verpflichtet

Bis ins 18. Jahrhundert war Latein die offizielle Sprache, wenn Botschafter aufeinandertrafen, denn damals führten Geistliche die internationalen Verhandlungen – und die Mehrheit sprach Latein. Erst als Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts Militärs begannen, die Verhandlungen zu führen, wurde Latein nach und nach vom Französischen abgelöst, der damaligen Umgangssprache Europas. 1714 wurde mit dem Friedensvertrag von Rastatt zum ersten Mal ein Vertrag auf Französisch unterzeichnet. Französisch war den verhandelnden Militärs schlicht geläufiger als Latein. Nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung war Sonnenkönig Louis XIV, der den restlichen Höfen Europas militärisch und wirtschaftlich als Vorbild diente. Der ziemlich genau ein Jahrhundert nach Louis XIV zum König von Preußen gekrönte Friedrich der Große beherrschte Französisch sogar besser als Deutsch, von ihm ist überliefert, dass er lediglich mit seinen Pferden und Stallknechten Deutsch sprach.

Diese Dominanz des Französischen hielt bis 1919 zum Friedensvertrag von Versailles, der das Ende des 1. Weltkriegs besiegelte. Denn hier saßen auch Amerikaner am Verhandlungstisch, die kein Französisch sprachen. Der Vertrag wurde schließlich auf Englisch und Französisch unterzeichnet. Und auch wenn bis heute beide Sprachen in vielen internationalen Organisationen Amts- oder Arbeitssprache sind – eine „offizielle“ Diplomatensprache gibt es nicht. Letztlich wird die Sprache verwendet, auf die sich beide Gesprächspartner geeinigt haben. Der ehemalige französische Außenminister Jean-Marc Ayrault etwa spricht als Germanist fließend Deutsch und es ist überliefert, dass sich er und der einstige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier auf Deutsch als Verhandlungssprache geeinigt hatten.

Was bis heute jedoch gilt: Französisch ist Postsprache. Im 19. Jahrhundert war der Austausch von Briefen zwischen Ländern mit unterschiedlichen Systemen so komplex geworden, dass man sich auf einen gemeinsamen Standard einigte und die Universal Post Union – oder, quasi noch korrekter: l’Union postale universelle – gründete. Die offizielle Sprache des Vereins ist bis heute Französisch. Seitdem gilt: Egal, in welchem der 192 Mitgliedsländer des Weltpostvereins man sich gerade befindet – wenn man einen Brief auf Französisch adressiert, kann er zugestellt werden. Gut zu wissen für Ihre nächsten Urlaubspostkarten.

Titelbild via Unsplash (CC0)



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