LGBT Meaning

LGBTQI+ – woher kommt der Begriff und was steckt sprachlich dahinter?

Der Juni ist Pride Month. Alle schauen auf LGBTQI+ – und Supertext darum genauer hin: Woraus setzt sich der Begriff zusammen und was erfahren wir über die Herkunft der einzelnen Ausdrücke? Spoiler: Das Konzept ist aktueller denn je – auch wenn die Wörter dahinter viel mit einer ausgestorbenen Sprache zu tun haben.

Was der Begriff bedeutet

Bei LGBTQI handelt es sich um ein Akronym, also ein Wort aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter, das in den 90er-Jahren in den USA entstanden ist. Es steht für die Bezeichnungen lesbian, gay, bisexual, transgender, queer und intersexual. Wobei «Q» und «I» erst um die Nullerjahre hinzukamen, um weitere Facetten von Geschlechtsidentitäten abzubilden. Häufig wird deshalb auch noch ein «A» für asexual sowie ein Plus-Zeichen oder Sternchen als Platzhalter für weitere Formen ergänzt. Den Bezeichnungen gemein ist: Sie machen auf das Konzept der Heteronormativität aufmerksam.

Und was bedeutet Heteronormativität?

Darunter versteht man die immer noch weit verbreitete Auffassung, dass das biologische und soziale Geschlecht eines Menschen übereinstimmen muss. Und dass dieses nach binärem Muster eingeteilt ist – in Mann und Frau. Diese Schranken möchte die LGBTQI-Bewegung aufbrechen.

Und was in den einzelnen Wörtern steckt

Gesellschaftlicher Wandel bedeutet immer auch Sprachwandel. Wir haben deshalb bei den einzelnen Ausdrücken etwas genauer hingeschaut und uns gefragt: Wann und wie wurden sie salonfähig?

Lesbisch

Bedeutet eigentlich «zu Lesbos gehörend» – also zur griechischen Insel. Sie wundern sich über den Zusammenhang? Der soll bei der antiken griechischen Dichterin Sappho liegen, die weit vor der christlichen Zeitrechnung auf Lesbos gelebt und in ihren Gedichten die Liebe zwischen Frauen besungen haben soll. Deswegen sprach man im 19. Jahrhundert auch von sapphischer Liebe. Später wurde die Bezeichnung «Lesbe» bzw. «Lesbierin» abwertend gebraucht und erst mit der Lesben- und Schwulenbewegung in den 60ern und 70ern zur autonomen Selbstbezeichnung der gleichgeschlechtlichen Liebe zwischen Frauen.

Gay/schwul

Die Bezeichnung «schwul» machte einen mehrfachen Wertewandel durch: Vom untereinander geläufigen Ausdruck – im 19. Jahrhundert auch unter gleichgeschlechtlich liebenden Frauen – über einen (oft jugendsprachlich) abwertenden Gebrauch zurück zur weitgehend akzeptierten Selbstbezeichnung. Das Adjektiv fand also über die Zeit weit über den sexuellen Kontext hinaus in die Gesellschaft Einzug – und das nicht immer positiv. Seine Etymologie ist nicht abschliessend geklärt, meist wird es aber auf das niederdeutsche «schwul» für «drückend heiss» zurückgeführt. Das erst später entstandene «schwül» soll von «kühl» beeinflusst worden sein.

Eine ähnliche gesellschaftliche Entwicklung hatte das englische gay – es war schon Emanzipations- wie auch Schimpfwort. In seiner Bedeutung war der Begriff, der im Englischen auch homosexuelle Frauen einschliesst, ursprünglich rein positiv konnotiert: Er lässt sich mit «fröhlich» oder «unbekümmert» übersetzen. Heute ist die Bezeichnung weitgehend akzeptiert und auch im Deutschen wird oft darauf ausgewichen.

Bisexuell

Die lateinische Vorsilbe bi- bedeutet «zwei». Ursprünglich meint der Begriff also «zweigeschlechtlich». Deshalb benutzte man ihn bis Anfang des 20. Jahrhunderts auch für das Vorhandensein von zweierlei Geschlechtsmerkmalen – der heutigen Intersexualität. Inzwischen wird er nur noch als Bezeichnung verwendet, wenn man sich zu beiden binären Geschlechtern – also dem männlichen und weiblichen – hingezogen fühlt.

Transgender

Auch hier erklärt das Lateinische, was Sache ist: Der Ausdruck setzt sich aus trans- (lat. «jenseits», «hinüber») und gender, dem sozialen Geschlecht, zusammen. Transgender fühlen sich nicht ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht zugehörig. Während manche eindeutig als Mann oder Frau zugeordnet werden möchten, lehnen andere die Einordnung nach der binären Struktur ganz ab. Der Begriff, der unabhängig von der sexuellen Orientierung verwendet wird, mutierte in den USA der 80er-Jahre zum genderpolitischen Begriff – in Europa startete der öffentliche Diskurs erst 1995. In den Duden schaffte es die Bezeichnung 2020. Auch das Gegenteil, cisgender, hält mehr und mehr Einzug in den Sprachgebrauch und meint Personen, deren Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht bei Geburt übereinstimmt.

Queer

Übersetzt bedeutet queer «andersartig» oder «merkwürdig». Wohl deshalb war der Begriff bis Anfang der 90er negativ behaftet und als homophobes Schimpfwort im Umlauf. Geschlechter- und Queer-Theorien brachten die Wende: Heute ist queer ein beliebter Sammelbegriff für sämtliche Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen, die nicht der Heterosexualität oder dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht entsprechen. Auch in der deutschen Sprache wird er immer häufiger verwendet und ist seit 2020 ebenso im Duden zu finden. Fast schon naheliegend, denn die Bezeichnung hat deutsche Wurzeln: Sie stammt von «quer», das wiederum vom indogermanischen twerk («jenseits», «drüben») abgeleitet ist.

Intersexuell

«Inter-» ist eine abermals aus dem Lateinischen entlehnte Vorsilbe und steht für «zwischen», also zwischengeschlechtliche Person. Intersexuelle Körper haben sowohl männliche als auch weibliche biologische Geschlechtsmerkmale, sodass eine binäre Zuschreibung nicht ohne Weiteres möglich ist. Seit 2018 haben Intersexuelle sowie Transgender in Deutschland die Möglichkeit, sich im Geburtsregister als divers eintragen zu lassen.

Asexuell

Unter Asexualität versteht man die Abwesenheit sexueller Anziehung gegenüber anderen, unabhängig von deren Geschlecht. Der Begriff trat kurz vor der Jahrhundertwende um 1890 erstmals in Erscheinung und ist seit mehreren Jahren auch Teil der LGBTQIA-Bewegung – wobei das «A» sowohl für asexual als auch für agender (ungeschlechtliche, genderneutrale Personen, die auf eine Geschlechtsidentität verzichten) stehen kann.

Weiter gibt es aber auch noch abinär, pangender, genderfluid usw. Bevor es Ihnen jetzt vor lauter Selbstbezeichnungen zu bunt wird: Die Supertexter*innen wissen Rat.

Titelbild via Unsplash



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