Make-up

Ausgesprochen schlecht.

Heute widmen wir uns Helvetismen aus der Hölle. Von Meik-öp bis Löntsch.

So viele Anglizismen, die man sich einverleiben kann. Ein wahrer Festschmaus. Das hat sich unsere Elterngeneration wohl auch gedacht und (natürlich) nicht tatenlos zugeschaut, wie sich die englische und die deutsche Sprache immer mehr vermengten. Nein, sie hat sogar aktiv an dieser Neuartigkeit teilgenommen. Auf diese Weise konnten sich die verbalen Fauxpas ausgesprochen gut am Leben erhalten. Quasi unbemerkt haben sie sich im Sprachalltag eingenistet. Über die korrekte Aussprache wusste niemand so richtig Bescheid. Und das ist das Problem.

Löntsch aus dem Töpperwär.

Dass die Mutter morgens das Meik-öp auftrug und zum Hosenanzug die passenden Pömps aus dem Schuhschrank nahm, war das eine. Dass jedoch abends ohne mit der Wimper zu zucken die Reste vom Nachtessen – wahlweise Schtiik oder Kauntri Köts (Kartoffelstücke, für diejenigen, die nie damit in Berührung gekommen sind) – in ein Töpperwär gepackt und zusammen mit dem Kätschöpp wieder im Kühlschrank versorgt wurden, grenzt rückblickend schon fast an akustische Körperverletzung. Sonntags gab es einen Bröntsch, mittags einen Löntsch. Klar.

Nichts gelernt?

Im Pöb konnte man Michael Jacksons „Sriller“ hören und die Lüriks aus „Kälifornia Driiming“ von The Mamas & The Papas frischfröhlich falsch verstehen. Auch ging es zu Festivals mit dem Schöttel-Böss und in die Waschküche zum Tömbler. Schlimmstenfalls trägt man mittlerweile selber Pömps. Es ist doch eigenartig, dass man sich jetzt, wo man es eigentlich besser weiss, manchmal eben doch nicht traut, die Wörter richtig auszusprechen. Wenn man den Tumbler benutzt oder zum Brunch einlädt, wird man schon manchmal schräg angeschaut und erntet ein gleichgültiges, stilles „Pff“. Man kann es förmlich hören.

Ihre Meinung ist gefragt.

Mich erstaunt, wie hartnäckig sich solche Aussprache-Fehler in unserer Gesellschaft halten. Geht es Ihnen genauso? Und haben Sie noch mehr solche englischen – oder sollte ich sagen schweizerischen? – (Un-)Wörter? Lassen Sie es mich wissen, und zwar am besten noch bevor Sie nach Noiork in die Ferien fahren. Sänks.

Titelbild via Pexels (CC0)



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6 Kommentare zu “Ausgesprochen schlecht.”



  • René am 12. August 2011 16:34 Uhr

    Koboi!
    Tschikago!
    Fön Park!


  • sprain am 12. August 2011 16:48 Uhr

    Diese Wörter haben sich schon derart etabliert, dass sie gar nicht mehr als Englisch wahrgenommen werden. Da darf sich meiner Meinung nach auch die Aussprache eindeutschen.

    Es ist in der Tat so, dass jemand, der Brunch ausspricht eher besserwisserisch rüberkommt (oder frisch zurückgekehrter Sprachstudent ist). In hiesigen Breitengraden ist daraus halt der „Brönsch“ geworden. Gleichzeitig erwartet auch niemand, dass man bei Portemonnaie oder Trottoir den R mit französischem Akzent ausspricht.

    Daher: Whu keers?


  • Nina am 15. August 2011 7:44 Uhr

    Da hast du natürlich total recht, Sprain. Aber ich finde es trotzdem ein spannendes Phänomen. Im Englischen wie auch in anderen Fremdsprachen. A most wonderful week.


  • Martina am 16. August 2011 8:45 Uhr

    Oder Köntri, wie einst sogar ein Politiker vom Stapel liess… uuahh – mich schüttelt’s!

    In dieser Sache bin ich vermutlich einfach zu wenig anpassungsfähig. Wobei, zugegeben – auch mir ist’s schon mal so ergangen… Ich schreibe eine SMS und will mich zum Lunch verabreden, schreibe erst ‚Zeit und Lust zu lunchen?‘, denke dann – Hilfe, will doch niemanden lynchen (umbringen) – und wechsle sogleich auf ‚löntschen’… Tja, wer zu weit überlegt… ;)

    Allerseits einen schönen Tag!


  • René Merz am 17. Dezember 2017 13:02 Uhr

    Es ist schrecklich wie viele Schweizer ä verwenden. “Turtä“ (f. Torte) usw. Das unbetonte „e“ in korrekter deutscher Aussprache tönt ähnlich wie (schweizerisches) „ä“ – wirkt schriftlich aber scheusslich. „Biine“ (für Biene) ist lesbarer als „Biinä“.
    Verschont mich mit „ä-Überschwemmung“! Danke


  • Simon Wyss am 23. Dezember 2019 18:21 Uhr

    Es war vor einigen Jahren, als ich in Basel in einem Kaffee, das weder Café noch Tea Room noch Restaurant war, von der Chefin Köntri Köts angeboten bekam. Eine Ostschweizerin, so ossig wie Sachsen. Sie ist jemand Freundliches, sie ist nett, doch country — nie gehört. Dazu gesellt sich gern der Tschakuhsi, wissen Sie, der aus dem Fernsehen, wo es die Amerikaner halt so sagen. Daß es ein Italiener ist namens Iacuzzi, geht denen am Verstand vorbei. Ganz im Vordergrund jedoch stehen die Pommes der Deutschen. Ein französisches Wort französisch aussprechen, das können sie nicht. Des pommes de terre frites, Mann, ist das kompliziert. Nee, ham wer nich Pommes, Schranke? Dafür hörst du von den Frenchies immer wieder Treump. Auch nicht schlecht.


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