Gleich gehts los!!!

ausruf

Setzen Sie Ausrufezeichen nur sparsam ein, sonst laufen Sie Gefahr, nicht ernst genommen zu werden. Ausserdem sind Ausrufezeichen ein fauler Weg, das Fehlen einer Aussage wettzumachen.

Seit dem Titel darf ich nach Weisheit meines Chefs Rinaldo keine Ausrufezeichen mehr brauchen. Laut Rinaldo hat ein Texter nämlich nur drei Ausrufezeichen in seinem Leben zur Verfügung. Und die wären nun ja aufgebraucht. Ganz so apodiktisch darf man es natürlich nicht sehen, aber seit ich diese Aussage zum ersten Mal gehört habe, gehe ich sparsamer mit den lieben Ausrufezeichen um. Und zwar wesentlich. Denn eigentlich braucht es sie wirklich nur sehr selten. Und wenn man sie zu oft verwendet, verlieren die einzelnen an Kraft. Ein Punkt reicht in den allermeisten Fällen völlig aus, um einen Satz abzuschliessen. Manchmal wirkt er sogar noch stärker als ein Ausrufezeichen.

Das Ur-Emoticon

Die Autoren David Shipley und Will Schwalbe, Verfasser des Buches «Send», einem E-Mail-Knigge, nennen das Ausrufezeichen ein «Ur-Emoticon», eine Vorstufe des Smileys: «Ein fauler, aber effizienter Weg, das Fehlen des Tons auszugleichen». Mark Twain blies ins gleiche Horn, indem er sagte, dass das Ausrufezeichen «den Schreiber beim Lachen über die eigenen Witze entlarvt». Diese Beispiele sind aus der NZZ am Sonntag vom 26.05.2013, die dem Ausrufezeichen einen Artikel widmete, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Lustigerweise weist die NZZ im Link mit einem Ausrufezeichen auf ihr Abo hin.

Viel Getöse und Geschrei!

Wie erwähnt: Ein Punkt hat manchmal viel mehr Aussagekraft. Mehr Ruhe. Und dadurch mehr Klarheit und Autorität. Ein Ausrufezeichen schreit mich an. Ich mag es nicht, angeschrien zu werden. Ein Punkt sagt mir sachlich und ruhig: «Es ist zu Ende». Wenn ich eine Aufforderung lese, die mit Ausrufezeichen versehen ist, nehme ich sie viel weniger ernst, als wenn da ein Punkt steht. Die Aussage wurde gemacht. Sie wird nicht besser, nur weil man ein (oder noch schlimmer: mehrere!) Ausrufezeichen dahinter setzt. Wenn die Aussage nicht klar ist, wird sie das auch nicht mit einem Ausrufezeichen. Dasselbe gilt im Übrigen auch für Smileys. Doch dazu ein ander Mal.

Ich plädiere dafür, das Ausrufezeichen wieder so einzusetzen, wie es ursprünglich gedacht war. Sparsam. So sticht es viel stärker hervor, wenn Sie es mal wirklich brauchen. Es entfaltet seine Wirkung besser und ruft Respekt vor der Autoriät hervor, die es durch die inflationäre Verwendung verloren hat. Punkt.

Bild: Amio Cajander auf Flickr (CC BY 2.0)



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