Die ungenutzte Macht einer gut getexteten «Über mich»-Seite

Leser wollen sie, Leser suchen sie, Leser lesen sie. Nicht vorzustellen, wenn sie fehlt. Aber wissen Sie, wie wichtig die «Über mich»-Seite tatsächlich ist?

Sie werden mir bestimmt zustimmen: Die «Über mich»- oder «Über uns»-Seite gehört beim Besuch einer neuen Website zu den interessantesten Stationen. Sei es bei einem Blog, einem Onlineshop oder der Agentur, mit der man gerade arbeitet – wir lieben es, mehr zu erfahren. Näher ranrücken zu dürfen. Hinter die Kulissen zu blicken. Ist das Interesse erst einmal geweckt, kann eine gut getextete «Über mich»-Seite das entscheidende Kriterium sein, um eine Geschäftsbeziehung zustande kommen zu lassen. Wenn man das Interesse des potenziellen Kunden vorher nicht verspielt.

Ich über mich

So wie wir alle nicht gleich viel Geschick beweisen, wenn es darum geht, uns vorteilhaft auf Fotos zu präsentieren, so unterscheidet sich auch unser Talent, wenn es um die Beschreibung der eigenen Vorzüge geht. Sich ernsthaft mit der Frage «Wer bin ich?» beschäftigen zu müssen, bringt wohl mehr Menschen dazu, die Nummer vom Psychotherapeuten zu wählen, als hochmotiviert in die Tasten zu hauen und ein paar Zeilen niederzuschreiben. Verständlich. Den Text über mich hat der Chef vom Ganzen geschrieben. Und ich schreibe wiederum die Texte für meine Kollegen. Das schont Nerven.

Die Sache mit dem Lebenslauf

Mangels Zeit, Kreativität und wohl vor allem Lust passiert aber bei vielen Unternehmen Folgendes: Die «Über uns»-Seite wird einzig und alleine mit Lebensläufen ausgestattet. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Es können ja nicht alle das Glück haben, von schreibwütigen Textern umgeben zu sein, die ein «Ich-als-dich-über-dich» schon fertig haben, während man selber noch darüber nachdenkt, wie man eigentlich heisst. Niemand wird wegen dem Französischkurs, den man damals 1998 an der Migros Klubschule besucht hat, sofort wegklicken. Aber vielleicht ein bisschen einschlafen.

Mit Lebensläufen kann man sich als Leser schlecht identifizieren. Mit Geschichten hingegen schon. Und das sollte eigentlich das Ziel sein: Einem Unternehmen ein menschliches Antlitz zu verpassen, in dem man sich als Leser wiederfindet. In das man sich als Leser vielleicht sogar etwas verliebt. Wenn der Text stimmt, können Sie auf dem Foto daneben auch im Hasenkostüm posieren. Das haben Sie aber nicht von mir.

Das Titelbild zeigt Will, 24. Ich weiss nicht ob ich das Foto verwenden darf – hoffe aber insgeheim, dass er sich deswegen bei mir meldet und ich mir das Outfit mal leihen kann.


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