In 5 Schritten zum waschechten East Ender: Cockney-Crashkurs, Teil 1

Die Standardversion einer Sprache zu beherrschen, ist auf jeden Fall eine Leistung. Wer nach einer noch grösseren Herausforderung sucht, macht sich an das Erlernen eines Dialekts, oder – noch schwieriger – eines Jargons. Mit Cockney schlagen Sie in London zwei Fliegen mit einer Klappe.

Mein Englischlehrer war ja eher ein Oxford- als ein London-Fan (und sah übrigens genauso aus wie Mr Steel, der Bibliothekar aus unserem Englisch-Lehrmittel aus den 70er-Jahren), daher hat er sich auch, so gut es ging, bemüht, uns RP bzw. «the Queen’s English» beizubringen. Dialekte oder gar Soziolekte wären da fehl am Platz gewesen. Er hat zwar mal erwähnt, dass Cockney der Dialekt der Londoner sei, damit hatte es sich dann aber auch. Mittlerweile habe ich gelernt, dass Cockney nicht nur in Situationen hilfreich wäre, in denen man sich gerne als «born and bred» Londoner ausgeben würde, sondern dass man damit sogar in Rätseln sprechen kann – Cockney ist nämlich auch eine Geheimsprache (sag ich) bzw. ein Jargon oder Slang (sagt die Sprachwissenschaft). Und dass das praktisch ist, versteht sich von selber. Wenn Sie also bald einen Trip nach London geplant haben und sich unbemerkt unter die Locals mischen möchten, habe ich hier die ersten drei der fünf wichtigsten Fakten über Cockney für Sie.

1. Wo

Nicht ganz London spricht Cockney. Der Dialekt wird vor allem, aber nicht ausschliesslich, im East End, also in der Region östlich der alten (nicht mehr existenten) Stadtmauer und nördlich der Themse gesprochen. Abgesehen von Cockney gibt’s da fantastisches Essen (z. B. Vietnamesisch an der Kingsland Road), Flohmärkte mit interessanten Kuriositäten und natürlich Street Art. Sollten Sie hingegen Ihre Cockney-Kenntnisse während des Smalltalks mit dem Verkaufspersonal im Harrod’s im Westen der Stadt zur Schau stellen wollen, könnte das Verwirrung stiften.

2. Wer

Gemäss Wikipedia und thebrits.com gibt es viele Cockneys unter den englischen «Celebs», die auch Kontinentaleuropäern ein Begriff sind, darunter z. B. Adele, Leona Lewis, Michael Caine, David Beckham und Helena Bonham Carter. Und da es in London sehr wahrscheinlich ist, dass man einer Berühmtheit begegnet (wie, lesen Sie hier), kann es ja nicht schaden, vorbereitet zu sein.

3. Wie – Teil 1: Der Cockney-Dialekt.

Nun zum wichtigsten Punkt: Wie spricht man Cockney? Man könnte sagen, dass Cockney einfacher ist als Standardenglisch, denn man braucht grundsätzlich weniger Buchstaben in der Aussprache. Eine charakteristische Eigenschaft des Cockney-Dialekts ist zum Beispiel das sogenannte «h-dropping»: Wann immer ein ‚h‘ am Anfang eines Worts steht, lassen Sie dieses einfach weg. «Hallo, ich hätte gerne einen Hamburger» wäre dann also: «’ello, could I ‚ave an ‚amburger, please». Natürlich haben Personen französischer Abstammung hier einen grossen Vorteil, aber keine Angst, auch wenn Sie nicht dieses Glück haben, lässt sich «h-dropping» relativ schnell lernen.

Ein weiteres Merkmal ist der «glottal stop», der statt eines ‚t‘ verwendet wird. Der «glottal stop» ist ein stimmloser Verschlusslaut, der mit dem Halszäpfchen gebildet wird – man senkt dabei kurz das Zäpfchen nach unten, sodass der Luftstrom unterbrochen wird, und hebt es dann gleich wieder. Und so tönt dann z. B. «better» wie «be’uh» und aus «what» wird «wha’».

Haben Sie während der Schulzeit auch stundenlang an der richtigen Aussprache des «th» gefeilt? Das können Sie fürs Cockney vergessen – denn eine weitere Eigenart des Cockney ist das «th-fronting». Das bedeutet, dass die Aussprache des «th» im Mund nach vorne verschoben wird, sodass daraus ein ‚f‘ wird. Also: «fanks», «I fink» und «fug» statt «thanks», «I think» und «thug».

Weitere Merkmale des Cockney-Dialekts können Sie bei z. B. bei Pronunciation Studio und auf dem dialect blog nachlesen. Und nächste Woche erzähl ich Ihnen dann, wie Sie auch die Slang-Variante von Cockney lernen, und wozu das gut sein soll.

Titelbild via Flickr: Kenny Louie – Cockney King’s (CC BY 2.0)



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